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17. August 2018

Vernetzte Produktion muss zur Strategie, Cyber-Sicherheit zur Qualitätssache werden

Vernetzte System-Umgebungen, autonome Fertigung, intelligente Maschinen – Produktionsanlagen entwickeln sich zu sicherheitskritischen digitalen Komplexen. Im Zeitalter 4.0 ist die digitale Vernetzung ein Faktor, der zur Wettbewerbsfähigkeit und wirtschaftlichem Wachstum von Unternehmen beiträgt. Das kann jedoch nur dann erfolgsversprechend sein, wenn vernetzte Strukturen und Abläufe gegen Angriffe aus dem Cyber-Raum bestmöglich geschützt sind.

Neben der Implementierung zeitgemäßer Sicherheits- und Qualitätsmanagementkonzepte müssen Industrie- und IT-Sicherheit ganzheitlich betrachtet werden. Aus Sicht der DGQ (Deutsche Gesellschaft für Qualität e.V.) erfordert das auch einen aktiveren Zusammenschluss von Politik, Industrie, Wissenschaft und Gesellschaft: Es gilt, gemeinsam daran zu arbeiten, Cyber-Sicherheit am Wirtschaftsstandort Deutschland zu erhöhen, als Qualitätsfaktor zu verankern und Standards zu definieren.

Sicherheit als Qualitätsfaktor: DGQ tritt Allianz für Cyber-Sicherheit bei

Der Digitalisierung der Industrie widmet sich die DGQ seit längerem. Seit kurzem ist sie aus diesem Grund neues Mitglied der Allianz für Cybersicherheit des BSI (Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik). Aus Sicht der DGQ ist die Allianz eine hervorragende Plattform für den notwendigen und lösungsorientierten Austausch zwischen Politik, Industrie, Wissenschaft und Gesellschaft zur Cyber-Sicherheit. Mit ihrer Beteiligung unterstützt sie die Zielsetzung, am Wirtschaftsstandort das Bewusstsein für die Bedeutung dieses Themas gerade für die vernetzte Produktion zu stärken. Für Cybersicherheit im Kontext Industrie 4.0 ist nicht nur die IT-Abteilung in der Pflicht, sondern Produktionsleitung und IT müssen sich gemeinsam des Themas annehmen, um mögliche Sicherheitslücken, beispielsweise in der Produktionssteuerung, aufzudecken. Notwendig ist die gemeinsame und umfassende Sichtweise auf mögliche Risiken der Vernetzung im Unternehmen.

Zu Beginn dieses Jahres hat die DGQ Schlüsselkompetenzen und Trendthemen in einer Onlinebefragung zum Thema „Digitaler Wandel – Wo stehen Sie?“ ermittelt. Die Ergebnisse verdeutlichen unter anderem, dass die Sammlung, Verarbeitung und Auswertung von Daten gerade für die Qualitätssicherung in Unternehmen einen großen Stellenwert einnimmt. Neben der Weiterentwicklung von Fachkompetenzen ist es somit notwendig, Cyber-Sicherheit und Datenschutz als relevante Qualitätsmerkmale zu verankern und voranzutreiben. Qualität muss zu einer Zielgröße der Industrie 4.0 werden. Zusammen mit den anderen Partnern der Allianz möchte die DGQ ihre langjährigen Erfahrungen und ihre Kompetenz im Bereich Qualitätssicherung und -management bündeln, um zeitgemäße Produktions- und Security-Strukturen zu schaffen.

Das vollständige Whitepaper können Interessierte hier herunterladen.

„Abwarten ist keine Option“ – Drei Fragen an Claudia Welker, Geschäftsführerin der DGQ

Claudia Welker, DGQ-Geschäftsführerin

Laut dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie verfügen bisher nur 28 Prozent der deutschen Mittelständler über eine vollständig vernetze Produktion. Ist Industrie 4.0 somit nur großen Unternehmen vorbehalten oder gar nebensächlich für Deutschland?

Claudia Welker: Der Begriff „Industrie 4.0“ wurde in Deutschland geprägt. Daher ist das Thema sicherlich nicht nebensächlich für Deutschland. Allerdings zeigt sich auch, dass die Mehrheit der Firmen im verarbeitenden Gewerbe noch immer auf traditionelle Produktionsabläufe setzt. Den Transformationsschritt zu IT-nahen Prozessen haben bisher nur wenige gewagt. Ungeachtet ob mittelständisch oder groß: Unternehmen sollten nicht unnötig zögern. Wer sich unter ganzheitlicher Perspektive mit dem Thema „Vernetzung im Unternehmen“ auseinandersetzt und die richtigen Schlüsse zieht, kann sich gegenüber Mitbewerbern klare Wettbewerbsvorteile verschaffen.

Unternehmen sollten nicht zögern. #VernetzteProduktion verschafft #Wettbewerbsvorteile #Industrie40 [KlickToTweet]

Was sind Ihrer Meinung nach die zentralen Voraussetzungen für eine nachhaltige und gewinnbringende Umrüstung von der „klassischen“ auf die vernetzte Produktion?

Claudia Welker: Das vernetzte Unternehmen sollte als Strategie verstanden werden; als Voraussetzung für Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit. Das erfordert auch, Fertigungsprozesse ganzheitlich zu betrachten. Wer auf dem Weg zur smarten Fabrik ist, steht vor der Aufgabe, gesamte Wertschöpfungsnetze in intelligente Systeme und Services umzusetzen – das gelingt heute nur in kleinen Schritten. Anpassungen in der Unternehmenskultur, die Ausbildung von Fachkompetenzen, die Einführung neuer Prüf- und Messverfahren, die Implementierung neuer Hard- und Software, tragfähige Konzepte für Schnittstellen und Sicherheit – die Liste der To-dos ist lang. Das sollte jedoch nicht daran hindern loszulegen: Deutschland verfügt über umfassendes Anwenderwissen, das es ermöglicht, digitale Vernetzungskonzepte zu erproben. Genau dieses Wissen sollten wir nutzen, um Industriestandards zu prägen – gerade im Bereich der Industrie- und IT-Sicherheit, der die Grundlage einer erfolgreichen Digitalisierung ist.

Die #VernetzteProduktion sollte als Strategie verstanden werden. Sie ist Voraussetzung für #Innovation und #Wettbewerbsfähigkeit [KlickToTweet]

Cyber-Sicherheit ist viel diskutiert, vor allem in Hinblick auf vernetzte Produktionen. Wie können das allgemeine Sicherheitsniveau erhöht und die Entwicklung zukunftsweisender Ansätze befördert werden?

Claudia Welker: Smart Factories verfügen über viele Schnittstellen. Ausschließlich über die Sicherheit von Produktionsanlagen in Unternehmen zu sprechen, ist nicht ausreichend. Vielmehr müssen wir die Sicherheit des gesamten Unternehmenssystems in den Fokus nehmen. Neue Fachkompetenzen zu vernetzten Produktionen sind gefragt, die weit über klassische IT-Kenntnisse hinausgehen. Bestehende Strukturen, Techniken und Verfahren, wie die des Qualitätsmanagements und der Qualitätssicherung, müssen in Sicherheitskonzepten einbezogen und angepasst werden. Bereits in der Entwicklung neuer Produkte, Services und Prozesse muss Cyber-Sicherheit als wichtiger Qualitätsfaktor eine Rolle spielen. Abwarten ist keine Option. Die rechtliche und funktionale Analyse neuer Technologien muss vorgelagert stattfinden, nicht erst, wenn Unternehmen umgerüstet haben. Das macht den Bedarf an Normen leicht erkennbar. Um Systeme branchenübergreifend sicher zu koordinieren, ist es notwendig, eine Standardisierung von Anforderungen und Umsetzungsmöglichkeiten für Cyber-Sicherheit zu entwickeln und zu implementieren.

#Industrie40 gelingt nur mit #Normen und #Standards – #Cyber-Sicherheit muss zum #Qualitätsfaktor werden [KlickToTweet]

Fit für 4.0: Trainings für Cyber-Sicherheit in der vernetzten Produktion

In Kooperation mit dem Fraunhofer IOSB startet im Herbst der DGQ-Zertifikatslehrgang „Cyber-Sicherheit in der vernetzten Produktion“.

In dem viertägigen Training erwerben die Teilnehmer das erforderliche Wissen, um Gefahren durch Cyber-Angriffe zu erkennen, IT-Sicherheitslösungen umzusetzen und so die Produktion zu sichern.

Im Lernlabor Cybersicherheit erleben die Teilnehmer realitätsnahe Simulationen von Cyber-Angriffen auf Industrieanlagen, können die Folgen anhand des Modells einer Produktionsanlage unmittelbar nachvollziehen und ihr erlerntes Wissen direkt testen.

Was das Besondere am neuen Trainingskonzept ist, erklärt Christina Eibert, Produktmanagerin bei der DGQ, im Interview.

Über die DGQ

Die Deutsche Gesellschaft für Qualität (DGQ) unterstützt Unternehmen dabei, mit hochwertigen Produkten und Dienstleistungen erfolgreich am Markt zu bestehen. Als zentrale, deutsche Qualitätsgesellschaft ist die DGQ erster Ansprechpartner für Qualität, Qualitätsmanagement und Qualitätssicherung. Das einzigartige Netzwerk der DGQ vereint über 6.000 Qualitätsexperten in mehr als 4.000 Unternehmen aller Größen und Branchen. Berufseinsteiger, Fachexperten und Manager nutzen den direkten Erfahrungsaustausch in deutschlandweit über 70 Regional- und Fachkreisen. Das DGQ-Netzwerk bietet die vielseitigste und umfassendste Plattform zum Austausch von Wissen, Praxiserfahrungen und Trends rund um qualitätsrelevante Themen. Die DGQ engagiert sich in nationalen und internationalen Initiativen, Partnerschaften, Gremien zur Gestaltung zentraler Normen sowie Innovations- und Forschungsprojekten. Mit rund 300 Trainern und 1.000 praxisbezogenen Trainings stellt die DGQ ein breites Weiterbildungsangebot zur Verfügung und erteilt im Markt anerkannte Personenzertifikate. Sie trägt wirkungsvoll dazu bei, „Qualität Made in Germany“ als Erfolgsprinzip in Wirtschaft und Gesellschaft zu verankern. Dabei sichert die DGQ bestehendes Know-how. In einer Welt der Transformation entwickelt sie zudem neue Qualitätsansätze für die Zukunft.

Ihre Ansprechpartner

Unternehmenskommunikation DGQ
Hinrich Stoldt
August-Schanz-Str. 21A
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Telefon: +49 69 95424-170
E-Mail: hinrich.stoldt@dgq.de
DGQ-Pressestelle, c/o Klenk & Hoursch
Karin Junggeburth
Uhlandstraße 2
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Telefon: +49 69 719168-150
E-Mail: karin.junggeburth@klenkhoursch.de
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