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5. Dezember 2019

Qualität in der Pflege auf DGQ-Brennpunkt kontrovers diskutiert

  • Vorträge und Workshops namhafter Referenten aus dem Pflegebereich zeigen zahlreiche Facetten des Themas „Qualität in der Pflege“
  • Prof. Dr. Klaus Wingenfeld, Mitentwickler des neuen Pflege-TÜV, liefert Bestandsaufnahme zur Qualitätssicherung für den Versorgungsbereich Pflege
  • DGQ-Brennpunkt bietet neutrale Plattform für kritischen Expertenaustausch über Pflegequalität

Frankfurt am Main, 5. Dezember 2019 – „Pflege im Umbruch – bleibt die Qualität auf der Strecke?“ Diese Frage stellte die Deutsche Gesellschaft für Qualität e. V. (DGQ) bei ihrem DGQ-Brennpunkt am 3. Dezember 2019 in Berlin. Die DGQ versammelte bei der Veranstaltung namhafte Referenten aus dem Pflegebereich, die in Vorträgen und interaktiven Workshops das Thema Pflegequalität aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchteten. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels, des akuten Fachkräftemangels aber auch technologischer Entwicklungen wurde das Thema kontrovers diskutiert. Erst Anfang Oktober startete beispielsweise ein neues Verfahren zur Qualitätssicherung und -darstellung für Pflegeheime, im kommenden Jahr sollen die ambulanten Dienste folgen. Die Überarbeitung war notwendig geworden, weil der bisherige sogenannte Pflege-TÜV zu keinen aussagekräftigen Ergebnissen geführt hatte. Bereits vor der Umsetzung des neuen Verfahrens hatte es Kritik von Branchenvertretern gegeben, die das Ziel einer besseren Qualitätssicherung und von verlässlicheren Ergebnissen in Frage stellten.

„Die Pflege befindet sich im Umbruch. Es stellt sich die Frage, ob die Bemühungen zur Optimierung des bestehenden Systems zukünftig noch ausreichen. Die DGQ möchte mit diesem Brennpunkt den verschiedenen Akteuren des Pflegesystems eine neutrale Plattform für den Erfahrungsaustausch und neue Denkimpulse bieten“, erläuterte DGQ-Präsident Udo Hansen die Zielrichtung der Veranstaltung. „Dabei möchten wir gerne die integrierende Sicht der Qualität einbringen, die insbesondere die spezifischen Anforderungen der pflegebedürftigen Menschen und ihrer Angehörigen berücksichtigt.“

Der neue Pflege-TÜV – eine Bestandsaufnahme

Den Auftakt des Vortragsprogramms bildete ein Beitrag von Prof. Dr. Klaus Wingenfeld, wissenschaftlicher Leiter des Instituts für Pflegewissenschaft an der Universität Bielefeld (IPW). Im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit hat er das neue Verfahren zur Qualitätsbeurteilung und -darstellung (Pflege-TÜV) in der Langzeitpflege maßgeblich mitgestaltet. In seinem Vortrag zeichnete er die bisherige Entwicklung nach und erläuterte die Grundzüge der neuen Qualitätsprüfung. Dabei unterstrich er auch die große Bedeutung einer kontinuierlichen internen Qualitätssicherung in den Pflegeeinrichtungen. Externe Prüfungen seien wichtig, aber Ziel des neuen Ansatzes sei ausdrücklich, Fachlichkeit und die Sicherung der Pflegequalität in den Einrichtungen selbst zu stärken.

Im Anschluss berichtete Dr. Andrea Bronner, Geschäftsführerin der VAMED GmbH, über „Personaleinsatz im Kontext der Budgetierung, Technisierung und Digitalisierung“. Sie nannte Themen, die Entscheider in Pflegeeinrichtungen derzeit umtreiben. Kostendruck, Pflegepersonaluntergrenzen in Krankenhäusern, eine bedarfsgerechte Qualifizierung sowie die derzeit mangelnde Attraktivität des Berufsfeldes bildeten große Herausforderungen. Dabei wies sie auch auf das Potenzial der Digitalisierung hin. Die intelligente Vernetzung von Technik und Daten könne das Pflegepersonal deutlich entlasten.

BIVA-Geschäftsführer kritisiert neuen Pflege-TÜV

Mit Dr. Manfred Stegger trat dann ein Kritiker des Pflege-TÜVs an. Dem Geschäftsführer der Bundesinteressenvertretung für alte und von Pflege betroffene Menschen e. V. (BIVA-Pflegeschutzbund) geht der überarbeitete Ansatz nicht weit genug. So seien die Indikatoren zur Bewertung zwar pflegewissenschaftlich begründet, jedoch nicht ausreichend an den Betroffenen orientiert. Zudem fehle es an Sanktionen für Einrichtungen, wenn die Pflegeergebnisse schlecht sind. Die Stimme der pflegebedürftigen Menschen sei in dem Prozess nicht hinreichend berücksichtigt worden. Letztlich, so Stegger, muss Qualität zwischen gesellschaftlichen Gruppen ausgehandelt werden und darf nicht nur Sache der Selbstverwaltung und der Wissenschaft sein.

Danach brachte Dr. Benedikt Sommerhoff, Leiter Themenmanagement bei der DGQ, einen externen Blick in die Diskussion um die Pflegequalität ein. Er legte dar, dass und warum sich das Qualitätsmanagement im Gesundheits- und Sozialwesen mit Wirksamkeits- und Akzeptanzdefiziten auseinandersetzen muss. Der Pflegesektor benötigt laut Sommerhoff neue Qualitätssicherungsansätze. Dazu gehört auch mehr Spielraum für das Ausspielen von Kompetenz und Erfahrung der Pflegekräfte im Rahmen einer viel stärker in die Pflege integrierten Qualitätssicherung.

Nach dem Vortragsprogramm hatten die Teilnehmer am Nachmittag die Wahl zwischen drei Workshops, die sich jeweils aus unterschiedlicher Perspektive mit dem Thema Pflegequalität beschäftigten. Die Ergebnisse wurden im Plenum präsentiert. Moderator Holger Dudel, Fachreferent Pflege der DGQ, erklärte, dass diese Resultate als wichtige Inhalte für einen Fachausschuss Pflege dienen, der ab Januar 2020 kontinuierlich Themen aus der Pflege für die DGQ bearbeiten wird. Zum Abschluss zog Dudel ein positives Fazit: „Die DGQ wollte mit dem Brennpunkt einen neuen Impuls für die Pflege setzen. Es ist uns darüber hinaus gelungen, kontroverse Standpunkte zu integrieren. Dass wir die Herausforderungen in der Pflege durch das Prisma der Qualität sehen, kam bei den Teilnehmern gut an. Das freut mich besonders, angesichts der teils festgefahrenen Diskussionen in der Branche.“

Über die DGQ
Die Deutsche Gesellschaft für Qualität (DGQ) unterstützt Unternehmen dabei, mit hochwertigen Produkten und Dienstleistungen erfolgreich am Markt zu bestehen. Als zentrale, deutsche Qualitätsgesellschaft ist die DGQ erster Ansprechpartner für Qualität, Qualitätsmanagement und Qualitätssicherung. Das einzigartige Netzwerk der DGQ vereint über 6.000 Qualitätsexperten in mehr als 4.000 Unternehmen aller Größen und Branchen. Berufseinsteiger, Fachexperten und Manager nutzen den direkten Erfahrungsaustausch in deutschlandweit über 70 Regional- und Fachkreisen. Das DGQ-Netzwerk bietet die vielseitigste und umfassendste Plattform zum Austausch von Wissen, Praxiserfahrungen und Trends rund um qualitätsrelevante Themen. Die DGQ engagiert sich in nationalen und internationalen Initiativen, Partnerschaften, Gremien zur Gestaltung zentraler Normen sowie Innovations- und Forschungsprojekten. Mit rund 300 Trainern und 1.000 praxisbezogenen Trainings stellt die DGQ ein breites Weiterbildungsangebot zur Verfügung und erteilt im Markt anerkannte Personenzertifikate. Sie trägt wirkungsvoll dazu bei, „Qualität Made in Germany“ als Erfolgsprinzip in Wirtschaft und Gesellschaft zu verankern. Dabei sichert die DGQ bestehendes Know-how. In einer Welt der Transformation entwickelt sie zudem neue Qualitätsansätze für die Zukunft.

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