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15. April 2024

Stärkere Berücksichtigung des Klimawandels: ISO erarbeitet „Amendments“ zu Managementsystemnormen

Der Klimawandel soll stärker in den internationalen Managementsystemnormen berücksichtigt werden. Als Konsequenz aus der „London Declaration“ hat die Internationale Organisation für Normung (ISO) sowohl die „Harmonized Structure (HS)“ als auch die darauf basierenden Managementsystemnormen wie ISO 9001, ISO 14001 und Co. kürzlich um sogenannte „Amendments“ ergänzt. Diese konkretisieren Anforderungen an Organisationen, die Auswirkungen von Klimawandel im Rahmen des Managementsystems zu berücksichtigen.

Klimawandel im Kontext der Organisation

Die sogenannten „Climate Action Changes“ finden sich in Kapitel vier der HS. Dort heißt es zum einen: Organisationen sollen in Zukunft festlegen, inwiefern der Klimawandel für sie ein relevanter Faktor ist („The organization shall determine whether climate change is a relevant issue“, 4.1). Diese Frage ergänzt damit künftig die Analyse des Unternehmenskontexts. Konkret bedeutet das: Wenn eine Organisation den Klimawandel als für sie relevant betrachtet, muss sie diesen Einfluss künftig explizit in ihr Managementsystem aufnehmen. Zum anderen sollen Organisationen von nun an die Anforderungen interessierter Parteien im Hinblick auf den Klimawandel berücksichtigen („Relevant interested parties can have requirements related to climate change“, 4.2). Die Änderungen sind auch im Rahmen von Zertifizierungen zu berücksichtigen.

Im Hinblick auf die Umsetzung in der Praxis ist von entscheidender Bedeutung, dass das Thema Klimawandel und dessen Berücksichtigung von unterschiedlicher Relevanz für die verschiedenen Managementsystemnormen ist. Umgekehrt gilt auch mit Blick auf die Vielfalt an Organisationen, dass diese in unterschiedlichem Grad vom Klimawandel betroffen sind beziehungsweise einen unterschiedlich starken Einfluss darauf haben – abhängig unter anderem von Branche, Organisationsgröße und geografischer Lage.

Betroffene Normen

Von der Erweiterung betroffen sind alle maßgeblichen Managementsystemnormen, die auf der Struktur der HS aufbauen. Das Amendment zu ISO 9001 „Quality management systems — Requirements — AMENDMENT 1: Climate action changes“ wurde bereits veröffentlicht und ist hier kostenlos verfügbar. Die Umsetzung in die deutsche Version ist beim Deutschen Institut für Normung (DIN) in Arbeit.

Das Amendment für die internationale Umweltmanagementnorm ISO 14001 befindet sich derzeit in der Kommentierungsphase und ist in Kürze zu erwarten. Amendments zu weiteren Managementsystemnormen – darunter ISO 45001, ISO 50001, ISO 22000, ISO/IEC 20000, ISO 22301, ISO/IEC 27001, ISO 28000, und ISO 37001 – werden folgen.

„Die Ergänzung der HS sowie in der Umsetzung der ISO 9001 etc. um diese klimarelevanten Aspekte wurde in den beteiligten Normungsgremien kontrovers diskutiert“, kommentiert Thomas Votsmeier, Leitung Normung bei der DGQ und Vertreter in verschiedenen DIN- und ISO-Gremien.  „Während das Ziel, nachhaltigkeits- und damit auch klimarelevante Aspekte systematisch zu berücksichtigen und in ISO- und IEC-Normen zu verankern, unstrittig ist, wurde die Form der Umsetzung in die Managementsystemnormen nicht durchgängig als sinnvoll angesehen.“ Die generischen Anforderungen an die Berücksichtigung aller relevanten Aspekte bei der Analyse von Organisationskontext und Erwartungen der interessierten Parteien beinhalteten auch bisher schon nachhaltigkeits- und klimarelevante Aspekte und hoben durch das Amendment diesen einen Aspekt des Klimaschutzes exklusiv hervor. „Nichtsdestoweniger sind ab sofort alle Organisationen mit entsprechenden Managementsystemen gefordert, die entsprechenden Aspekte zu ermitteln und das Ergebnis der Relevanzbewertung nachweisen zu können.“

Hintergrund: Die London Declaration

Infolge der „London Declaration“ 2021 hatte das Technical Management Board (TMB) der ISO beschlossen, alle Normen daraufhin zu prüfen, inwieweit diese um mit Blick auf den Klimawandel relevante Aspekte ergänzt werden können. Im Rahmen der von zahlreichen Ländern unterzeichneten Erklärung hatte sich ISO dazu verpflichtet, den Kampf gegen den Klimawandel über das Instrument der Standardisierung voranzutreiben. Ziel ist das Einhalten der Nachhaltigkeitsagenda bis 2050.

Gemeinsames Kommuniqué von ISO und IAF

Zur Umsetzung der Änderungen in die Praxis der Managementsystemzertifizierung haben ISO und IAF gemeinsam ein Kommuniqué herausgegeben, das hier veröffentlicht ist. Darin stellen die Verfasser klar, dass es sich nicht um neue Anforderungen handelt, sondern um ergänzende, konkretisierende Aussagen.

Kontakt:

Thomas Votsmeier
Leitung Normung bei der DGQ
thomas.votsmeier@dgq.de

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