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Qualität und Nachhaltigkeit

Wie hängen die Begriffe Qualität und Nachhaltigkeit zusammen? Obwohl sich beide Begriffe auf unterschiedliche Felder beziehen, besteht zwischen ihnen ein enger Zusammenhang. „Qualität“ und „Nachhaltigkeit“ streben nach einer hohen Produkt-, Lebens-, sowie Umweltqualität. Sie erfordern Geduld, Sorgfalt, Reflexion und Durchhaltvermögen, um zu wirken.

 

 



Das Wort „Qualität“ geht auf das lateinische „qualitas“ zurück, das aus „qualis“ („wie beschaffen“) gebildet wurde. In der Gemeinsprache, aber auch in qualitätsbezogenen fachlichen Unterhaltungen steht „Qualität“ häufig (entgegen der Festlegung in DIN EN ISO 9000:2015-11 und in früheren Ausgaben dieser Norm) u. a. für Vortrefflichkeit, Sorte und Beschaffenheit.

Der Fachbegriff „Qualität“ ist international vereinheitlicht und in allen bisherigen terminologischen Festlegungen der ISO zum Qualitätsmanagement definiert, zuletzt in DIN EN ISO 9000:2015-11, 3.6.2.:

Qualität
Grad, in dem ein Satz inhärenter Merkmale (3.10.1) eines Objekts (3.6.1) Anforderungen (3.6.4) erfüllt.

Anders gesagt: „Qualität ist die an der geforderten Beschaffenheit gemessene realisierte Beschaffenheit“.



„Nachhaltigkeit“ ist kein neues Konzept. Der Begriff „Nachhaltigkeit“ geht auf den Deutschen Freiberger Oberberghauptmann Hans Carl von Carlowitz (1645–1714) zurück, der ihn in seinem Buch von 1713 auf die Forstwirtschaft übertrug. Das Ziel war die Schaffung eines stabilen Gleichgewichts.

Erfahren Sie mehr: Was bedeutet Nachhaltigkeit?

Gerade heutzutage drängen immer kürzere Produktlebenszyklen, technologische Trends, geänderte Kundenanforderungen oder kurzfristige Gewinnerwartungen weltweit agierender Investoren die Unternehmen dazu, pragmatisch zu agieren. Manche Maßnahmen erscheinen in diesem Zuge als unnötiger Kostenaufwand oder gar Bremse für den kurzfristigen Erfolg, sind aber gerade die Bedingung der Möglichkeit für den langfristigen Erfolg.

Umgekehrt bedeutet das, dass Organisationen im Endeffekt mehr zahlen, als sie auf kurze Sicht einsparen. Nicht zuletzt gefährdet eine solche Einstellung vielleicht sogar deren Existenzgrundlage. Fazit: Organisationen müssen umdenken, um einen langfristig nachhaltigen Erfolg zu erzielen.

Nachhaltiger Erfolg für Organisationen

Was heißt nachhaltiger Erfolg für Organisationen? Dazu lohnt ein Blick auf die Welt der Normen, welche auch die Grundlage für das Qualitätsmanagement bildet.
ISO 9004:2018 verweist bei der Definition der Begriffe auf ISO 9000:2015. Dort heißt es unter dem Begriff „nachhaltiger Erfolg“ im Abschnitt 3.7.4:

„Sustained success emphasizes the need for a balance between economic-financial interests of an organization [3.2.1] and those of the social and ecological environment.“

Modernes Qualitätsmanagement bedeutet also, nicht mehr nur die eigene Organisation und das direkte Umfeld im Blick zu haben, um lediglich den eigenen nachhaltigen wirtschaftlichen Erfolg anzustreben. Es heißt auch, darauf zu achten, ob die Produktion bzw. Dienstleistung sozial verträglich und umweltgerecht ist. Es gilt, unter einer globalen Perspektive lokal nachhaltig zu handeln, um die eigene Existenzgrundlage zu sichern.

ISO und Nachhaltigkeit – Standardisierung trägt zu den Nachhaltigkeitszielen der UN bei

Die International Organization for Standardization (ISO) positioniert sich in diesem Zusammenhang eindeutig:

„By supporting our members to maximize the benefits of international standardization and ensure the uptake of ISO standards, we’re helping to meet the United Nations Sustainable Development Goals (SDGs). Economic, environmental and societal dimensions are all directly addressed by ISO standards. Organizations and companies looking to contribute to the SDGs will find that International Standards provide effective tools to help them rise to the challenge.“

Das heißt: Organisationen, die ISO-Standards anwenden, können damit schon einen Beitrag zu den Nachhaltigkeitszielen leisten – und dies nicht nur in wirtschaftlicher, sondern auch in ökologischer und gesellschaftlicher Hinsicht.
Aber die ISO geht noch weiter. Auf ihrer General Assembly mit 500 Delegierten aus 150 Ländern im September 2018 hat sie als Motto “Advancing the global agenda” gewählt und spielt damit unmittelbar auf die Agenda 2030 an. ISO stellt sich damit der Frage, inwieweit Internationale Normen dazu beitragen können, die größten globalen Herausforderungen für Wirtschaft, Umwelt und Gesellschaft zu lösen.

In seiner Eröffnungsrede sagte ISO-Generalsekretär Sergio Mujica:

“ISO has been involved with the SDGs even before they were created, and this year’s General Assembly is the perfect starting point for developing a roadmap for policy makers, businesses and organizations for how International Standards can help us achieve a more sustainable future.”

Über 600 ISO-Normen zahlen auf die 17 Nachhaltigkeitsziele ein

Auf der ISO-Webseite findet sich eine Auflistung der Nachhaltigkeitsziele und der darauf einzahlenden Normen: insgesamt lassen sich rund 600 Normen direkt einem der 17 Ziele zuordnen. Die Nutzer können auf diese Weise sofort erkennen, mit welcher Norm sie in ihrem Unternehmen ebenfalls zu einer nachhaltigen Entwicklung beitragen können.
Und auch eine der zentralen ISO-Normen trägt den Begriff „Nachhaltigkeit“ im Titel. Gemeint ist ISO 9004:2015: Managing for the sustained success of an organization – A quality management approach.

 


Schon gewusst?
Der zentrale ISO-Leitfaden für Organisationen, die gesellschaftlich verantwortlich handeln wollen, ist ISO 26000 „Leitfaden zur gesellschaftlichen Verantwortung von Organisationen“.