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29. Januar 2024

Umgang mit Risiken und Chancen: DGQ und EOQ bei den Normenrevisionen ISO 9000 und 9001 aktiv

Im Dezember 2023 hat unter starker deutscher Beteiligung die Überarbeitung der Qualitätsmanagementnormen ISO 9000 und 9001 gestartet. Erste Entwürfe für Konzepte und terminologische Ergänzungen liegen vor und werden in den nächsten Wochen breit diskutiert. Der Zeitplan ist ehrgeizig, soll doch schon im April mit dem „Committee Draft“ ein erster Entwurf für die überarbeiteten Fassungen vorliegen.

Vor dem Hintergrund der Revisionen hat die Diskussion um eine mögliche Überarbeitung des Risikokonzepts und damit den Umgang mit „Risiken und Chancen“ an Bedeutung gewonnen. DGQ-Mitglied und Normungsexpertin Prof. Dr. Patricia Adam, die neben Thomas Votsmeier, Leiter Normung DGQ, über die EOQ als aktive Expertin für die neu gegründete ISO-Arbeitsgruppe TC 176/SC 1/WG 2 nominiert wurde und an der Revision der 9000 beteiligt ist, führt aus: „Gemeinsam mit Experten aus Israel, Kanada, Mexiko, Pakistan und den USA habe ich mich in dieser Runde intensiv mit Umgang und Konzeption des risikobasierten Denkens beschäftigt. Spannenderweise waren wir uns nach anfänglichen Schwierigkeiten schnell einig: Die Betrachtung von Chancen kommt in der Praxis viel zu kurz, ist aber in dem derzeitigen Umfeld – Stichwort: VUKA-Welt – ebenso wichtig wie die Betrachtung von Risiken.“ Auf der Suche nach dem Grund dafür sei man zum einen zu der Erkenntnis gelangt, dass die Perspektiven mit Blick auf Risiken und Chancen sehr unterschiedlich seien und der praktische Umgang mit Risiken und Chancen nicht auf gleiche Weise erfolgen könne. Gleichzeitig jedoch könnten wesentliche Verbesserungen im Hinblick auf die Ermittlung und Handhabung von Risiken und Chancen in Organisationen über beide Vorgehensweisen erzielt werden.

Bereits im November 2022 war Prof. Dr. Adam für die EOQ als Liaison-Member-Mitglied der ISO-Arbeitsgruppe TC 176 Task Group 4 „Emerging Trends in Quality, Ad Hoc Group Risk” nominiert worden, deren Erarbeitungen zum Risikobegriff nun im Zuge der Revisionen relevant werden.

„Risk Concept Paper“ findet bei Revisionen Beachtung

Aus den oben genannten Überlegungen ist in der zuständigen Task Group ein „Risk Concept Paper“ entstanden, das ISO-intern als Input für die Revisionen von ISO 9000 und 9001 verabschiedet wurde: Ausgehend von Veränderungen im Kontext der Organisation wird darin das risikobasierte Denken von einem chancenbasierten Denken abgegrenzt. Zudem schlagen die Verfasser die Entkopplung beider Konzepte und die Aufnahme des chancenbasierten Denkens in die Revision der ISO 9000 und 9001 vor. Inzwischen hat dieses Papier Eingang in die „Design Spezifikation“ für die Überarbeitung von ISO 9000 und 9001 gefunden. Es bleibt abzuwarten, ob dieses Konzept sich durchsetzen und in die neuen Fassungen der Normen aufgenommen wird. Derzeit gibt es sowohl starke Befürworter als auch deutliche Gegner.

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