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19. Oktober 2018

VDA 6.3 Prozesse analysieren und bewerten

Der Standard (Normenempfehlung) VDA 6.3 beschreibt eine Methode zur Prozessanalyse, die aus der Forderung nach robusten Prozessen und ihrer Absicherung in der gesamten Lieferkette entstanden ist. Was zeichnet den Standard aus? DGQ-Produktmanager Jörn Cerff hat mit DGQ-Trainer Thomas Birke über VDA 6.3 gesprochen.

Worin sehen Sie die grundlegenden Stärken des Standards VDA 6.3?

Thomas Birke: Der Standard (Normenempfehlung) VDA 6.3 beschreibt eine Methode zur Prozessanalyse, die aus der Forderung nach robusten Prozessen und ihrer Absicherung in der gesamten Lieferkette entstanden ist. Hierbei ist die Stärke bereits im Namen „Standard“ enthalten, der standardisierten Vorgehensweise. Jeder am Produktentstehungsprozess Beteiligte kann diesen Standard zur Analyse und Bewertung seiner Prozesse anwenden. Der dabei entstehende Vorteil liegt dann in der Vergleichbarkeit der Ergebnisse. So können die Ergebnisse der Audits vom OEM mit denen der 1st oder 2nd Tier direkt miteinander verglichen werden. Durch die Anwendung des Standards sprechen alle am Prozess Beteiligten die gleiche Sprache und folgen den gleichen Regeln. Eine weitere Stärke liegt in dem sehr einfachen Monitoring der gewünschten kontinuierlichen Verbesserung auf Basis der im Audit erzielten Ergebnisse.

Warum ist Berufserfahrung so wichtig für die Tätigkeit als Prozess-Auditor in der Automobilindustrie?

Thomas Birke: Die Bewertung der einzelnen Prozesselemente erfordert vom Auditor ein hohes Maß an Fachkenntnissen und Wissen in Bezug auf die jeweiligen Produkte bzw. die jeweilige Produktgruppe, außerdem Abstraktionsfähigkeit, um die im Audit erarbeiteten Auditnachweise korrekt den Prozesselementen bzw. Fragen zuordnen zu können. Ohne die geforderte Berufserfahrung ist es nur sehr schwer möglich, den Auditauftrag zu erfüllen und die geforderten objektiven und reproduzierbaren Ergebnisse zu erzielen. Nach meinem Kenntnisstand gibt es bisher keinen anderen Weg, diese Skills zu erwerben, als durch die tägliche Arbeit.

Was ist eine zentrale Botschaft, die Sie Ihren Teilnehmern im VDA 6.3-Training mit auf den Weg geben?

Thomas Birke: Die Auditierung von Prozessen ist spannend und abwechslungsreich zugleich. Kein Audit gleicht dem anderen. In Abhängigkeit von der Produktgruppe, der Art und Größe des auditierten Unternehmens, dem Standort und dem Auslöser für das Audit ergeben sich unterschiedliche Facetten bei der Durchführung und bei der Erarbeitung von Auditnachweisen. Dabei steht für uns als Auditoren immer die Verbesserung der Prozesse und die Gefahrenabwehr im Fokus und keinesfalls der Ansatz, dem Auditierten nachzuweisen, dass er Fehler macht.

Wie fördern Sie im Training die Kompetenz der Teilnehmer in der konkreten Anwendung des Standards VDA 6.3?

Thomas Birke: Jeder Auditor, unabhängig von den gesammelten Auditerfahrungen, möchte mit seinen im Auditbericht formulierten Feststellungen und ihrer Bewertung für seinen Auftraggeber ein professionelles Ergebnis erzielen. Hierzu bedarf es einer systematischen und strukturierten Vorgehensweise, die – wenn man sie sich erst einmal angeeignet hat – mit der ständigen Anwendung zum Selbstläufer wird. Das Vermitteln dieser Vorgehensweise und das Trainieren der richtigen Anwendung ist meine Aufgabe im Seminar. Genauer betrachtet ist es mir sogar ein persönliches Anliegen, den angehenden Prozessauditoren ein Hilfsmittel an die Hand zu geben, um Ihnen die Auditierung zu erleichtern.

Wie sieht dieses Hilfsmittel aus?

Thomas Birke: Einfach ausgedrückt, sind fünf „W – Fragen“ zu stellen, ein ganz simples Ausschlussprinzip.

1.) Welchen Prozess auditiere ich – zum Beispiel Stanzen eines Bauteils, Lackieren, Entwickeln eines Bauteils, Entwickeln eines Herstellungsprozesses oder Lieferantenmanagement?

2.) Wo befinde ich mich im Gesamtkontext des VDA 6.3 – in der Projekt- oder Serienphase?

3.) Welchem Prozesselement (P2-P7) kann ich den auditierten Prozess zuordnen?

4.) Welcher Prozessstütze kann ich die im Audit getroffene Feststellung zuordnen?

5.) Welcher Frage des Prozesselements kann ich die Feststellung zuordnen?

Ab hier wird es dann einfach: Mit der richtig ermittelten Frage aus dem zutreffenden Prozesselement und der Tabelle zur Punktevergabe im Band VDA 6.3 kann man sehr schnell eine Bewertung zur Feststellung treffen.

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