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25. Februar 2016

„Bleibt die DGQ am Puls der Zeit, ist sie ein Akteur mit Zukunft“

Seit Oktober 2015 ist Christoph Pienkoß Geschäftsführendes Vorstandsmitglied der DGQ. Zuvor war er Geschäftsführer beim Deutschen Verband für Wohnungswesen, Städtebau und Raumordnung und in Personalunion Geschäftsführer dessen Servicegesellschaft. Nach seinen ersten 100 Tagen bei der DGQ sprach die Redaktion mit ihm über seine Aufgaben und Ziele.

Dipl.-Ing. Christoph Pienkoß, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied

Dipl.-Ing. Christoph Pienkoß, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied

Herr Pienkoß, wie wird man als diplomierter Stadt- und Regionalplaner Geschäftsführendes Vorstandsmitglied einer Quality Community?

Indem man gelernt hat und weiterhin daran arbeitet, über Tellerränder hinweg zu blicken. Dabei hat man zudem möglichst ein Gespür für gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Zusammenhänge, für aktuelle und künftige Themen und Trends entwickelt. Das Thema Qualität ist ja keineswegs nur ein Nischenthema einer Fach-Community, die es in einem Elfenbeinturm hegt und pflegt. Obwohl die Nähe der Begriffe Qualität, Qualitätsmanagement und Qualitätssicherung zu industrieller Produktion im weitesten Sinne offensichtlich ist, so beschränken sich die damit verbundenen Ansprüche und Qualifikationen an Produkte, Menschen und Systeme heutzutage keineswegs mehr auf diesen Bereich. Ganz im Gegenteil prägt Qualität oder auch das Fehlen von Qualität explizit, viel häufiger aber implizit, unseren Alltag auf Schritt und Tritt. Nicht nur meinen akademischen, sondern insbesondere meinen beruflichen Hintergrund der vergangenen 15 Jahre prägen zudem vielfältige Erfahrungen im Bereich Netzwerke und Kooperationen, Management komplexer internationaler Projekte, Forschung und Anwendung von Forschungsergebnissen, vielfache kommunikative Tätigkeiten bis in politische Bereiche hinein sowie jahrelange Erfahrung in der Zusammenarbeit mit Medien. All diese Aspekte bergen, neben dem traditionellen Geschäft der Deutschen Gesellschaft für Qualität, enormes Potenzial für diesen Verein, der ein solch bedeutendes Thema im Namen trägt.

Welches Resümee ziehen Sie nach den ersten hundert Tagen?

Das Resümee ist relativ eindeutig: Qualität ist ein spannendes Dauerthema. Die DGQ hat zudem den Namen und das Potenzial, dieses Thema insgesamt zu besetzen. Dazu verfügt die DGQ über viele engagierte und fähige Mitarbeiter. Hinzu kommen aktive Regionalkreise mit vielfältigen Themen, agile Fachkreise, in denen viel Wegweisendes geschieht, einen Forschungsbereich, der hochinnovative und mitunter sehr spezifische Projekte initiiert sowie einen starken Bereich Weiterbildung mit großer Kundenorientierung. Besonders genannt sei auch die Vielzahl der ehrenamtlich Tätigen, die mit Begeisterung und Engagement am Thema Qualität arbeiten. Persönlich bereitet es mir vor diesem Hintergrund auch nach 100 Tagen noch täglich Freude, den Arbeitstag bei der DGQ zu starten.

Welche Chancen sehen Sie generell für das Thema Qualität in Wirtschaft, Politik und bei Verbrauchern?

Die Herausforderung für eine Institution und die jeweils Beteiligten, die sich dem Thema Qualität verschrieben haben, ist, dass Qualität als ein Aspekt von Prozessen, Produkten und Handlungsweisen gesehen wird, der ja selbstverständlich ist. Die Realität sieht viel zu häufig völlig anders aus: Nur weil eine Gesellschaft, eine Volkswirtschaft oder ein politisches System nicht gleich zusammenbricht, heißt dies längst nicht, dass die Qualität in den vielen einzelnen Bausteinen dieser Systeme ausreichend, gut oder herausragend ist. In allen Bereichen werden wir tagtäglich mit Themen konfrontiert, die Qualitätsaspekte beinhalten. Geht es um ein Problem, dann hätten oft qualitätssichernde Maßnahmen das Problem verhindern können. Beispiele sind nicht nur die offensichtlichen im Automobilbereich, sondern etwa Compliance-Themen in Konzernen, kartellartige Absprachen, das vermeintliche Versagen der öffentlichen Verwaltung in vielerlei Hinsicht. Selbst Kommunikationsprozesse zeichnen sich häufig durch einen erstaunlichen Mangel an Qualität aus. Neben den offensichtlichen gewerblichen Branchen, die ohne Prozesse des Qualitätsmanagements und der Qualitätssicherung überhaupt keine ordentlichen Produkte würden herstellen können, gibt es insofern eine immense Bandbreite weiterer Bedarfsträger für Qualifizierung.

Was sind denn Ihre aktuellen Aufgaben?

Die DGQ ist ein traditionsreicher Verein mit Wurzeln bis in die 1950er Jahre. Insofern gehört es zu meinen vordringlichen Aufgaben, den Verein mit seiner gewachsenen Kultur, seinen Besonderheiten, seinen Bereichen, mit Mitarbeitern, Gremien, ehrenamtlich Tätigen, mit Kooperationen, Netzwerken und Verbindungen zu verstehen, bevor ich ihn weiter gestalte. Zudem verschaffe ich mir einen Überblick über die aktuelle thematische Bandbreite der DGQ, bin in enger Kommunikation mit den Vorstandsmitgliedern und teils auch Delegierten, führe die Sichtweisen der Beteiligten zu einem Bild zusammen. Nebenbei gibt es ein recht forderndes Alltagsgeschäft und Standardprozesse eines Vereins, die erledigt werden wollen. Schließlich führe ich die bisher gewonnenen Erkenntnisse mit meinen eigenen Vorstellungen zusammen. Daraus und aus strategischen Überlegungen der jüngeren Vergangenheit ergeben sich die strategischen Herausforderungen und Ziele für die nächsten Jahre, die die DGQ erreichen sollte und für die ich mich künftig verantwortlich fühle.

Und welche inhaltlichen Schwerpunkte wollen Sie in Ihrer neuen Funktion erreichen?

Klar ist, dass inhaltliche Radikalschnitte nicht zur Debatte stehen, kontraproduktiv wären und auch schlicht unnötig sind. Ich werde mich aber dafür einsetzen, dass innerhalb der Strukturen der DGQ – Stichworte Regionalkreise, Fachkreise, Forschung – Themen vorangebracht werden und die DGQ sich mit ihrem Denken und Agenda-Setting weit nach vorn bewegt. Daraus abgeleitet, sollen sich gern Produkte der DGQ weiterentwickeln, sollen neue Produkte entstehen, Initiativen, Kooperationen und Projekte aufgesetzt werden. Dies wird immer mit Blick auf die aktuelle, aber auch die mittel- oder gar langfristig zu erwartende Situation am Markt erfolgen – die Relevanz für das Thema Qualität steht dabei naturgemäß im Mittelpunkt. Die DGQ soll ihren Ruf als Fachgesellschaft behalten und stärken, sie soll aber auch die Chancen nutzen, sich breiter aufzustellen. Branchen, die dafür in Frage kommen, stehen schon im Raum und werden zum Beispiel in mehreren Fachkreisen ausgearbeitet, in denen agil, dynamisch und schnell hierfür relevante Ergebnisse produziert werden. Nur beispielhaft seien hier zudem gesamtgesellschaftliche Aspekte wie Corporate Compliance/ Responsibility, Stärkung der Marke „Made in Germany“, auch Industrie 4.0, Digitalisierung, Datensicherheit, ausgewählte Dienstleistungen genannt.

Stichwort neue Herausforderungen, wie es so schön heißt: Haben Sie bereits Situationen oder Prozesse erkannt, die Sie verändern müssen?

Natürlich gibt es DGQ-intern das eine oder andere, das der Aktualisierung bedarf – vieles betrifft schlicht die operative Ebene und das alltägliche Geschäft. Hierbei hilft mit Sicherheit der Blick von außen, die Erfahrung aus anderen Vereinen und Strukturen. Dennoch gibt es auch vieles, das hervorragend strukturiert ist und auf dem man aufbauen kann. Ich erlebe zudem im Großen und Ganzen eine große Bereitschaft der gesamten Belegschaft, des Netzwerks, der Delegierten und nicht zuletzt auch des Vorstands, sich mit Engagement und Motivation auf neue Aufgaben einzulassen. Neue Arbeitsstrukturen bei der DGQ, plakativ und exemplarisch seien Lösungsfindungen via Design Thinking und Q-Lab genannt, werden diese Bereitschaft operativ in schnell zu erreichende Ergebnisse münden lassen.

Mit welchen Zielen wollen Sie die Veränderungen angehen?

Die Deutsche Gesellschaft für Qualität soll gesamtgesellschaftlich, aber auch fachlich in Sachen Qualität Ansprechpartner Nr. 1 bleiben. Langfristig soll klar sein, dass wenn es um Expertise in Sachen Qualität, Qualitätsmanagement oder -sicherung geht, die DGQ dazu gefragt wird und auch Stellung nehmen kann. Deshalb werden wir im Haus sicher noch die eine oder andere Kompetenz aufbauen und bestehende Kompetenzen stärken. Die Zusammenarbeit mit den Kollegen, die rund um die Weiterbildung tätig sind, bleibt eine sehr wichtige Komponente in der DGQ. Regional- und Fachkreise sollen ermuntert werden, sich zum eigenen sowie zum Nutzen der DGQ einzubringen und auch mal Themen anzureißen, die gar nicht so offensichtlich waren. Die Motivation und der Zusammenhalt der Mitarbeiter ist grundsätzlich gut, soll aber auch gut bleiben oder sogar noch besser werden. Am Ende steht das Ziel eines inhaltlich und wirtschaftlich insgesamt erfolgreichen Vereins, der den vollen Rückhalt aller Mitarbeiter, ehrenamtlich Tätigen, Delegierten, Mitglieder und Gremienmitglieder hat und als wichtiger Sprecher für Qualität in Politik, Gesellschaft, Forschung und Wirtschaft etabliert ist.

Wohin, glauben Sie, wird sich die DGQ in der Zukunft entwickeln und wo wollen Sie Akzente setzen?

Die DGQ wird ein Auge auf die schnellen Prozesse haben müssen, die das Leben und Arbeiten in Deutschland und Europa prägen. Wenn sie am Puls der Zeit bleibt, dabei kein Fähnchen im Wind ist, auf sichtbar längerfristige Entwicklungen aber reagiert, wenn sie substanzielle Beiträge zu deren Diskussion liefern kann, und wenn sie gleichzeitig wertvolle Angebote an Unternehmen und Menschen zu deren Qualifizierung machen kann, dann ist sie Institution und Akteur mit Zukunft in Deutschland und Europa. Daran arbeiten wir, und hier werde ich auch Akzente setzen, ohne das laufende Geschäft und dessen Entwicklung zu vernachlässigen.

Eine Abschlussfrage: Was macht mehr Spaß? Mit Erfahrung auf dem Boden zu bleiben oder innovationsfreudig nach den Sternen zu greifen?

Die Standardantwort würde lauten: Kommt ganz darauf an, beides hat seine Bedeutung. Tatsächlich ist es eine Mischung aus beidem: Persönliche und institutionelle Erfahrung, also auch die langfristig entstandene Vereinskultur der DGQ, ist unersetzlich für die Weiterentwicklung des Vereins und seiner Aktivitäten. Sobald die Beteiligten aber in der Lage sind – und das sind sie durchaus bei der DGQ – auszubrechen, neue Themen zu fokussieren, ganz anders an Herausforderungen und Bedürfnisse etwa von Mitgliedern und Kunden heranzugehen, dann entstehen innovative Bausteine und Prozesse, die jedes Unternehmen, jeder Verein, jede Institution benötigt, um nicht einzuschlafen und dann irgendwann das Aufwachen nicht mehr zu schaffen.

 

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