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Umgang mit Risiken und Chancen: DGQ und EOQ bei den Normenrevisionen ISO 9000 und 9001 aktiv

Im Dezember 2023 hat unter starker deutscher Beteiligung die Überarbeitung der Qualitätsmanagementnormen ISO 9000 und 9001 gestartet. Erste Entwürfe für Konzepte und terminologische Ergänzungen liegen vor und werden in den nächsten Wochen breit diskutiert. Der Zeitplan ist ehrgeizig, soll doch schon im April mit dem „Committee Draft“ ein erster Entwurf für die überarbeiteten Fassungen vorliegen.

Vor dem Hintergrund der Revisionen hat die Diskussion um eine mögliche Überarbeitung des Risikokonzepts und damit den Umgang mit „Risiken und Chancen“ an Bedeutung gewonnen. DGQ-Mitglied und Normungsexpertin Prof. Dr. Patricia Adam, die neben Thomas Votsmeier, Leiter Normung DGQ, über die EOQ als aktive Expertin für die neu gegründete ISO-Arbeitsgruppe TC 176/SC 1/WG 2 nominiert wurde und an der Revision der 9000 beteiligt ist, führt aus: „Gemeinsam mit Experten aus Israel, Kanada, Mexiko, Pakistan und den USA habe ich mich in dieser Runde intensiv mit Umgang und Konzeption des risikobasierten Denkens beschäftigt. Spannenderweise waren wir uns nach anfänglichen Schwierigkeiten schnell einig: Die Betrachtung von Chancen kommt in der Praxis viel zu kurz, ist aber in dem derzeitigen Umfeld – Stichwort: VUKA-Welt – ebenso wichtig wie die Betrachtung von Risiken.“ Auf der Suche nach dem Grund dafür sei man zum einen zu der Erkenntnis gelangt, dass die Perspektiven mit Blick auf Risiken und Chancen sehr unterschiedlich seien und der praktische Umgang mit Risiken und Chancen nicht auf gleiche Weise erfolgen könne. Gleichzeitig jedoch könnten wesentliche Verbesserungen im Hinblick auf die Ermittlung und Handhabung von Risiken und Chancen in Organisationen über beide Vorgehensweisen erzielt werden.

Bereits im November 2022 war Prof. Dr. Adam für die EOQ als Liaison-Member-Mitglied der ISO-Arbeitsgruppe TC 176 Task Group 4 „Emerging Trends in Quality, Ad Hoc Group Risk” nominiert worden, deren Erarbeitungen zum Risikobegriff nun im Zuge der Revisionen relevant werden.

„Risk Concept Paper“ findet bei Revisionen Beachtung

Aus den oben genannten Überlegungen ist in der zuständigen Task Group ein „Risk Concept Paper“ entstanden, das ISO-intern als Input für die Revisionen von ISO 9000 und 9001 verabschiedet wurde: Ausgehend von Veränderungen im Kontext der Organisation wird darin das risikobasierte Denken von einem chancenbasierten Denken abgegrenzt. Zudem schlagen die Verfasser die Entkopplung beider Konzepte und die Aufnahme des chancenbasierten Denkens in die Revision der ISO 9000 und 9001 vor. Inzwischen hat dieses Papier Eingang in die „Design Spezifikation“ für die Überarbeitung von ISO 9000 und 9001 gefunden. Es bleibt abzuwarten, ob dieses Konzept sich durchsetzen und in die neuen Fassungen der Normen aufgenommen wird. Derzeit gibt es sowohl starke Befürworter als auch deutliche Gegner.

British Standards Institution bietet kostenlose Webinare über die Zukunft des QM und von ISO 14001 an

Jetzt heißt es schnell anmelden – bereits am 14. Oktober 2021 führt die British Standards Institution (BSI) drei kostenlose Webinare über die Zukunft des Qualitätsmanagements durch. Internationale Experten des Technischen Komitees für Qualitätsmanagement ISO/TC 176 werden in drei separaten Webinaren über dieses Thema sowie das Normenportfolio des Komitees diskutieren. Die drei Webinare haben folgende Schwerpunkte:

  • The future of quality management standards
  • Emerging themes in quality management
  • Using ISO 9001-based standards to manage quality in key sectors

Die Veranstaltungen sind in englischer Sprache und werden ausschließlich von Mitgliedern von TC 176 durchgeführt – Diskussionen sind erwünscht.

Zur Anmeldung geht es hier:

Webinar über 25 Jahre ISO 14001

Am 1. November 2021 findet ein weiteres Webinar des BSI statt. Anlässlich des 25-jährigen Bestehens der internationalen Umweltmanagementnorm ISO 14001 wird die virtuelle Veranstaltung zunächst einen Blick auf die Wirkung der Norm seit 1996 werfen. Zudem greift das Webinar die Frage auf, wie IS0 14001 Organisationen künftig dabei unterstützen kann, die Herausforderungen für das Umweltmanagement zu bewältigen.

Zur Anmeldung für das ISO-14001-Webinar geht es hier.

ISO 9001 wurde bestätigt

Die ISO 9001 wurde im Rahmen einer Umfrage von ISO TC 176 in der 2015er Version für die nächsten Jahre durch die nationalen Mitgliedsorganisationen bestätigt.

Im Rahmen der systematischen Überprüfung der ISO 9001:2015 hat das zuständige Technische Komitee ISO/TC 176/SC 2 „Strategic Planning and Operations Task Group” (SPOTG) den Mitgliedsorganisationen im April 2021 folgendes zur Abstimmung empfohlen:

  • ISO 9001:2015 sollte unverändert “bestätigt” werden.
  • Es sollte ein Projekt in der Preliminary-Phase gestartet werden, um zu prüfen, ob eine Revision der ISO 9001 früher begonnen werden sollte, als dies üblicherweise durch den systematischen Überprüfungsprozess festgelegt wird.

Das SC2 führte eine Abstimmung unter seinen Mitgliedern durch, um festzustellen, ob diese Empfehlungen akzeptiert werden. Die Abstimmung wurde am 1. Mai 2021 geschlossen und hat die Empfehlungen mit großer Mehrheit angenommen. Auch Deutschland hat über das zuständige Gremium DIN NA 147 00 01 AA für den Antrag gestimmt. Unter der fachlichen Leitung von Thomas Votsmeier (DGQ) und großem Engagement verschiedener Mitglieder des DIN Ausschusses wurde die Vorbereitungsphase für die oben genannte Entscheidung in den entsprechenden ISO Gremien aktiv unterstützt.

Wie geht es weiter? Das Komitee SC 2 hat beschlossen, eine umfassende Überprüfung des SC2-Normenportfolios (also die 9000er und 10000er Normen) von der SPOTG durchzuführen und mit der Arbeit der ISO/TC 176/Chair’s Strategic Advisory Group (CSAG) sowie dem Projekt zur ISO 9001 in der Preliminary-Phase zu koordinieren.

Auf der Basis der in den nächsten ein bis zwei Jahren durchzuführenden Auswertungen der vorliegenden Erkenntnisse wird dann voraussichtlich eine vorgezogene Revisionsumfrage vorbereitet und durchgeführt. Das DIN ist auch hier mit drei deutschen Vertretern unter anderem der DGQ vertreten.

Somit liegt nun eine klare Entscheidung hinsichtlich einer Revision der bedeutendsten Managementsystemnorm ISO 9001 vor.

Globale Umfrage: Soll ISO 9001 überarbeitet werden?

Aktuell prüft ISO/TC 176, ob ISO 9001:2015 einer Revision unterzogen werden muss. Deswegen hat das Komitee im November 2019 beschlossen, zur Vorbereitung der Entscheidung eine globale Umfrage zu entwerfen. Dafür wird der Input von denjenigen benötigt, die Erfahrung im Umgang mit QM-Systemen haben. Die Erhebung soll Ideen, Anregungen und Positionen für die Entscheidung über die nächste Revision der Norm und mögliche Zielsetzungen und inhaltliche Änderungen sammeln.

Von deutscher Seite begleitet der DIN-Ausschuss NA 147-00-01-AA die Erstellung und Übersetzung der Umfrage. Thomas Votsmeier, Leiter Normung der Deutschen Gesellschaft für Qualität und Obmann von NA 147-00-01-AA, unterstützt das Vorgehen von ISO TC 176, dass das Entscheidungsverfahren über eine Revision von ISO 9001 sowie die Festlegung der relevanten Inhalte auf einer breiten Informationsbasis erfolgt.

Die Umfrage zielt darauf ab:

  • Daten über den Wert bereitzustellen, den die Einführung eines Qualitätsmanagementsystems (QMS) in Übereinstimmung mit den Anforderungen der aktuellen Ausgabe 2015 von ISO 9001 für Organisationen hat,
  • Daten über Vor- und Nachteile eines solchen QMS zu erheben und
  • zu erfassen, wie aus Sicht der Benutzer sichergestellt werden kann, dass dieser Standard auch in Zukunft relevant bleibt.

Eine Schlüsselfrage der Erhebung dreht sich um die Zukunft von ISO 9001 selbst: Sollte sie für den nächsten Fünfjahreszeitraum “so wie sie ist” belassen, überarbeitet oder durch Normen mit entweder erweiterten oder reduzierten Anforderungen ergänzt werden?

Weitere Informationen finden sich auf der Website von ISO/TC176/SC02:

https://committee.iso.org/home/tc176sc2

Bis einschließlich Dezember 2020 ist die Umfrage online.

Jetzt an der Umfrage teilnehmen »

 

Neue Normen für Qualität – ein Bericht vom ISO TC 176 Meeting in Indonesien für QM-Anwender

Was sind die wichtigsten Neuigkeiten und Ergebnisse in Sachen Standards und was ist speziell für die Nutzer von ISO 9001 von Bedeutung? Dieser Frage gingen Mitte September rund 150 Normungsexperten beim Treffen der ISO-Qualitätsexperten im zuständigen technischen Komitee 176 auf Bali auf den Grund. In einer Vielzahl von Meetings arbeiteten sie an verschiedensten Standards aus dem Portfolio von qualitätsrelevanten Normen der 9000er und 10000er-Reihe.

Ein zentrales Ergebnis: Der Umstieg auf ISO 9001:2015 ist noch im Gange. Das Normungskomitee arbeitet vorausschauend, für diese Gruppe ist die Arbeit an diesem Standard schon seit mehr als zwei Jahren abgeschlossen. Sie haben Interpretationshilfen und Hilfestellungen entwickelt, die unter  https://committee.iso.org/home/tc176sc2 zu finden sind.

Wie geht es weiter mit ISO 9001?

Der Standard wird 2020 auf seine Aktualität bewertet. Dann könnte – abhängig vom Ergebnis – eine weitere Revision mit einer Laufzeit von etwa drei Jahren erfolgen.

In der Zwischenzeit wird überlegt, ob der gemeinsame Rahmen für Managementsysteme, der „Annex SL“ mit der High-Level-Structure noch passt oder ob es dort Veränderungen gibt. Gleichzeitig wird die Arbeit an „Future Concepts“ zur Weiterentwicklung von ISO 9000 und 9001 aufgenommen. Ziel ist es, zu analysieren, welche Themen zukünftig im Bereich des Qualitätsmanagements berücksichtigt werden müssen, damit Normen auch in Zukunft hoch relevant für die Anwender bleiben. Diese Arbeit ist nicht primär auf eine mögliche zukünftige ISO 9001 ausgerichtet, sondern könnte eine Richtschnur für alle verbundenen Standards sein.

Für alle Anwender von ISO 9001 ist auch die Auditing Practice Group interessant, die Beispiele für „Best Practice“ entwickelt und veröffentlicht. Die Gruppe arbeitet derzeit an Artikeln zum Thema Outsourcing sowie Entwicklung oder Auditplanung für prozessorientiertes Auditieren. Anfang nächsten Jahren sollten die Beiträge fertig sein.

Für die Delegationen: Anni Koubek (Quality Austria / Austrian Standards), Thomas Votsmeier (DGQ / DIN), Rene Wasmer (SQS / SNV)

Letztlich wurde eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die sich mit Fragen der Glaubwürdigkeit ISO 9001 beschäftigt und der Kommunikation in Richtung Anwender. Diese Aufgabe kann die Gruppe geht nur gemeinsam mit ISO CASCO (verantwortlich für die Akkreditierungsstandards) und den Vertretern der Akkreditierungsstellen (IAF) bewältigen.

Die größte Arbeitsgruppe beschäftigte sich mit der Fertigstellung von ISO 9004, der Norm, die Qualität von Organisationen in den Fokus stellt. Der Leitfaden zur Erzielung von nachhaltigem Erfolg von Organisationen wird voraussichtlich im April 2018 veröffentlicht. Er beinhaltet nützliche Konzepte und praxisbezogene Anleitungen, um das Managementsystem zielgerichtet auf einen hohen Reifegrad zu bringen, ihn zu halten und die beabsichtigte Wirkung (nachhaltigen Organisationserfolg) zu erzielen.

Diverse Arbeitsgruppen arbeiteten an der Revision der Normen der ISO-10000er-Serie. Diese werden u. a. an ISO 9001:2015 angepasst und beschäftigen sich mit z. B. mit Kundenzufriedenheit, Anwendung statistischer Methoden, Qualitätsplänen, Projektmanagement, Engagement von Personen und anderen speziellen Facetten innerhalb des Qualitätsmanagements.

Ein Workshop widmete sich Fragen der Terminologie zur Sensibilisierung der Normenexperten für korrekte und eindeutige Verwendung von Begriffen bzw. Kommunikation bei der Normenerstellung. Ziel ist es, Anwendern möglichst eindeutige und verständliche Inhalte zur Verfügung zu stellen.

Eine Übersicht über laufende Projekte und deren Status ist auf der ISO Website verfügbar.

Die Vertreter der Delegationen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz „DACH“ haben sich laufend abgestimmt, gemeinsam für beste Ergebnisse eingesetzt und auch diesen Kurzbeitrag verfasst.

 

 

 

Neues FQS-Forschungsprojekt soll Umstellung auf ISO 9001:2015 erleichtern

Gerade für kleine und mittelständische Unternehmen ist es eine Herausforderung, ihr bestehendes Managementsystem auf ISO 9001:2015 umzustellen. Hier setzt das neue Forschungsprojekt „KMU-gerechtes Gestaltungsmodell zur systematischen Migration von normativen QM-Systemen (KMU-Move)“ an.

Im Rahmen des Projekts soll ein Ansatz entwickelt werden, der KMU befähigt, normative QM-Systeme im Falle sich ändernder Anforderungen anzupassen und zu migrieren. Unter sich ändernden Anforderungen wird in diesem Fall eine grundlegende Überarbeitung und Neuausrichtung des normativen QM-Systems verstanden, wie sie etwa durch die Revision von ISO 9001 erforderlich wird. Ziel des Forschungsprojekts ist es, ein Vorgehen zu entwickeln, das externe sich ändernde Anforderungen an ein QMS aufgreift – und auf weitere normative Managementsysteme übertragen werden kann.

Initiatoren des Projekts sind das Fraunhofer Institut für Produktionstechnologie IPT und das Werkzeugmaschinenlabor WZL der RWTH Aachen. Betreut wird es von der FQS-Forschungsgemeinschaft Qualität e.V. Interessierte Unternehmen haben die Möglichkeit, Teil des Projekts zu werden und aus erster Hand von den Ergebnissen zu profitieren. Fragen beantwortet Marco Fuhrmann vom WZL telefonisch unter 0241 80-26944 oder per Mail an m.fuhrmann@wzl.rwth-aachen.de.

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