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Industriepartner für FQS-Forschungsvorhaben gesucht: Fuzzy Empfehlungsassistenten zur Fehlerbeseitigung in der Zuliefererkette

Im Verlauf der letzten Jahre haben die Spannungen zwischen Original Equipment Manufacturer (OEM) und kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) in Zuliefererketten stark zugenommen. Die Beziehungen sind durch mangelhafte oder gänzlich fehlende Kooperation und Kommunikation, sowie ungleiche Machtgefüge geprägt. Dies führt zu Problemen in der Fehlerbewältigung. Tritt ein Fehler im Feld auf, wird dieser zwecks Ursachenidentifikation und Definition von Abstellmaßnahmen in die Zuliefererkette gegeben. Zumeist sucht jeder Zulieferer eigenverantwortlich nach den möglichen Fehlerursachen und Lösungsmaßnahmen. Die derzeitig verwendeten Methoden zur Dokumentation und Analyse von Fehlern sind der 8D-Report, das SCOR-Modell und der NTF-Prozess des Schadteilanalyseprozesses des Verbands der Automobilindustrie (VDA). Der Einsatz dieser Methoden ist jedoch zum einen mit einem hohen Zeit- bzw. Personalaufwand verbunden und zum anderen wird nicht geregelt, wie und an wen die Ergebnisse kommuniziert werden sollen. Die Kommunikation der Ergebnisse hat jedoch eine hohe Relevanz für einen effizienten Umgang mit aufgetretenen Fehlern in Zulieferketten. Im Rahmen des geplanten Forschungsprojekts FuFeZ soll dieser Handlungsbedarf mittels eines KI-basierten Referenzmodells gedeckt werden, welches eine zielgerichtete Kommunikation zwischen OEM und KMU ermöglicht.

Das Projektvorhaben FuFeZ

Ziel des avisierten Forschungsprojekts ist die Entwicklung eines Referenzmodells zum erleichterten Umgang mit Feld-Fehlern in Zuliefererketten, unterstützt durch zwei KI-basierte Empfehlungsassistenten. Während ein Assistent potenzielle Fehlerursachen vorschlägt, kommuniziert der zweite Assistent daraus resultierende konkrete Maßnahmen zur Fehlerbehebung. Unternehmen sollen in der Lage sein, das Referenzmodell und die Empfehlungsassistenten eigenständig anzuwenden.

Im Folgenden ist eine vorläufige Ideenskizze des Referenzmodells zu sehen (Abb. 1):

Abb. 1: Ideenskizze vom neuen Referenzmodell

Im ersten Schritt werden die Kundenreklamationen durch die Werkstätten oder den OEM selbst aufgenommen. Als Nächstes ist es die Aufgabe des OEMs die Fehlerbeschreibung durchzuführen, wobei eine Mindestanzahl an Daten vom OEM preisgegeben werden muss. Diese zwei Schritte sind erforderlich, damit die Fehlerklassifikation mittels einer zu entwickelnden Schablone (Klassifikations-Template) umgesetzt werden kann. Dadurch sind insbesondere KMU in der Lage zu ermitteln, ob für sie ein Handlungsbedarf besteht. Im Anschluss werden den Unternehmen potentielle Fehlerursachen mittels des Empfehlungsassistenten (Fuzzy-Neuro-System) vorgeschlagen. Durch einen zweiten Empfehlungsassistenten werden Maßnahmen zur Abstellung der ausgewählten Fehlerursache empfohlen. Diese allgemeinen Maßnahmen dienen als Ansatz zur Orientierung, sodass KMU Methoden zur Ursachen- und Maßnahmenbestimmung nicht mehr selbstständig durchführen müssen, wodurch sich Zeit und Personal einsparen lassen. Ergänzt werden sollen die Maßnahmen durch statische Empfehlungen. Hierbei wird zusätzlich die Information ausgegeben, welche Voraussetzungen vor der Durchführung der eigentlichen Maßnahme erfüllt sein müssen. Im Anschluss an die Durchführung der Maßnahmen wird ihre Wirksamkeit ermittelt.

Welche Vorteile hat FuFeZ für Unternehmen?

Durch die Anwendung des Referenzmodells und die vorgeschlagenen Fehlerursachen sowie Abstellmaßnahmen der Empfehlungsassistenten kann die Erkennungs- und Behebungszeit bei auftretenden Feld-Fehlern in Zuliefererketten deutlich gesenkt werden. Des Weiteren bietet FuFeZ mit seiner benutzerfreundlich gestalteten Software Unternehmen die Möglichkeit, die geeignetste Fehlerursache und (Abstell-)Maßnahme für die Fehlerbeschreibung mit geringem Aufwand aus dem vorgeschlagenen Katalog auszuwählen und gegebenenfalls. anzuwenden. Auf diese Weise können Unternehmen Fehlerkosten durch korrekte und schnelle Behandlung von Fehlerereignissen minimieren, nachhaltige Wettbewerbsvorteile erlangen und einen KI-basierten sowie digitalisierten Reifegrad erreichen. Weitere Ziele sind die Verringerung der Belastung und Beanspruchung von Mitarbeitenden im Fehlermanagementprozesses und der Aufbau einer positiven Fehlerkultur.

Diese Vorteile werden erreicht durch:

  1. Entwicklung eines neuen Referenzmodells, welches den aktuellen Forschungsstand abbildet, als auch den praktischen Bedarf der Unternehmen in Zuliefererketten widerspiegelt.
  2. Sicherstellung zur unternehmensübergreifenden Kommunikation durch KI-basierte Empfehlungen des Referenzmodells.
  3. Entwicklung eines Klassifikations-Templates zur konkreten Fehlerbeschreibung durch beziehungsweise für die Zulieferer.
  4. Entwicklung von Ursachen- und dazugehörigen Maßnahmenvorschlägen durch jeweils einen Empfehlungsassistenten, welcher durch Fuzzy-Neuro-Systeme determiniert und kontinuierlich gepflegt werden soll.

Bei Berücksichtigung dieser vier Punkte können die Unternehmen effizienter mit Feld-Fehlern in Zuliefererketten umgehen.

Wie können sich Unternehmen am Projektvorhaben beteiligen?

Das geplante Forschungsprojekt wird durch das Fachgebiet Qualitätswissenschaft der Technischen Universität Berlin initiiert und von der FQS Forschungsgemeinschaft Qualität e. V mit Mitteln des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) gefördert.

Interessierte Unternehmen, insbesondere KMU, haben die Möglichkeit, sich als Mitglied des Projektbegleitenden Ausschusses zu beteiligen. Hierbei wirken sie bei der Steuerung des Projektes und bei der Beratung der Forschungseinrichtung mit und profitieren frühzeitig von den erzielten Ergebnissen. Hierzu kann auch eine prototypische Umsetzung im Unternehmen durch die Forschungseinrichtung gehören. Detailliertere Informationen zum Vorhaben und Beteiligungsmöglichkeiten finden sich im Projektsteckbrief.

 

Über den Autor: Turgut Refik Caglar

Als wissenschaftlicher Mitarbeiter und Doktorand am Fachgebiet Qualitätswissenschaft der TU Berlin erforscht Turgut Refik Caglar, wie sich KI-Algorithmen durch ständige Kommunikation mit Mitarbeitenden weiterentwickeln und zu kontinuierlichen Prozessverbesserungen beitragen können. Dazu zählen insbesondere Forschungsbereiche wie Empfehlungssysteme, KI-basiertes Shopfloor Management, Verarbeitung natürlicher Sprache (NLP) und kognitive Algorithmen.

Kontakt:
t.caglar@tu-berlin.de

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