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Klarheit über die eigene Organisation gewinnen – mit dem EFQM Modell 2020

Wer heute durch eine Innenstadt läuft, dem wird schwerlich entgehen, wie viel sich um uns herum verändert. Alt eingesessene Geschäfte schließen, Popup-Stores sprießen hervor und testen neue Konzepte. Automobillastige Verkehrswege werden zu Fahrradstraßen umfunktioniert und Ladestationen für E-Autos entstehen in Parkhäusern, nahe Fußgängerzonen und direkt vor dem Supermarkt. Ganz zu schweigen von den Veränderungen, die die Nutzung von Smartphones in unserem Alltagsverhalten hervorgerufen hat. Es wäre müßig, diese alle aufzuzählen.

Jedenfalls ist klar: Die meisten von uns passen ihr Verhalten an, wenn die Welt um einen herum sich ändert. Und Organisationen? Die tun das selbstverständlich auch, doch die Ausgangslage ist hier zusätzlich zur äußeren auch noch von innerer Komplexität geprägt. Darum ist es so wichtig, Klarheit über die eigene Organisation zu gewinnen.

Der nachfolgende Bericht beschreibt erste Erfahrungen in der Anwendung des weiterentwickelten EFQM Modells. Diese machen deutlich, welche Vorteile Anwender im neuen EFQM Modell sehen.

EFQM Modell 2020: Warum überhaupt ein neues Modell?

Im Oktober 2019 wurde das neue EFQM Modell vorgestellt, welches eine deutliche Überarbeitung aufgrund vielfältiger Hinweise von Anwendern erfahren hat. Aktuelle Aspekte wie Digitalisierung, Agilität, steigende Bedeutung der Zusammenarbeit mit Stakeholdern, Entwicklung der Organisationsführung und Organisationskultur sowie die 17 Ziele der Vereinten Nationen für nachhaltige Entwicklung der Agenda 2030 wurden berücksichtigt.

Was bleibt: Das neue EFQM Modell soll weiterhin die Management-Agenda für Organisationen sein, die einen langfristigen, nachhaltigen Organisationserfolg anstreben.

Was bewegt Organisationen dazu, mit dem EFQM Modell zu arbeiten?

Es gibt unterschiedliche Beweggründe, wieso sich Organisationen für das EFQM Modell entscheiden. U. a. wird angeführt:

  • Bestehende Regelwerke, Normen und Richtlinien liefern keine ausreichenden Impulse mehr
  • Bekannte Managementsystemnormen sind zu „industrielastig“ und passen nicht so gut zu Organisationen anderer Branchen
  • Es wird ein umfassender Managementansatz als Rahmen für die eigene Organisationsentwicklung benötigt

Grundsätzlich zeigen die Beweggründe der Organisationen, dass sie langfristig nachhaltigen Erfolg anstreben. Viele stehen dabei vor der großen Herausforderung, das aktuelle Geschäft erfolgreich betreiben und gleichzeitig Veränderung/Transformation vorantreiben zu müssen, um fit für die Zukunft zu sein.

Wie nehmen Anwender-Organisationen die Neuerungen am EFQM Modell wahr?

Bei der Vorstellung des neuen EFQM Modells in Anwender-Organisationen waren die Reaktionen durchweg sehr positiv. Als gelungen sehen viele die neue Unterteilung in die drei Bereiche „Ausrichtung“ (Warum?), „Realisierung“ (Wie?) und „Ergebnisse“ (Was?). Das Modell wirkt dadurch zugänglicher und wird weniger als „starrer Rahmen“ wahrgenommen.

Auch würdigen die Anwender die aufgewertete Bedeutung von „Organisationskultur und Organisationsführung“ sowie die herausgestellte Betrachtung der Zusammenarbeit mit den Interessengruppen der Organisation als geglückte Weiterentwicklung. Als sinnvoll wird darüber hinaus u. a. erachtet, dass Veränderungs- und Transformationsfähigkeit sowie Nachhaltigkeit im Modell verstärkt berücksichtigt werden.

Arbeiten mit dem neuen EFQM Modell: Wie läuft das konkret?

Bei der Vorbereitung und Durchführung von Selbstbewertungsworkshops mit Organisationsleitungen und weiteren Beteiligten wird deutlich, dass durch das neue Modell nachdrücklicher die „Warum-Frage“ gestellt wird. Das führt zu einer intensiven inhaltlichen Auseinandersetzung mit dem eigenen Organisationszweck, der Unternehmensvision und den Werten der Organisation.

Bereits hier wird den Beteiligten oft klar, wie wichtig die Einbeziehung des „Ecosystems“ der Organisation ist. Unter Ecosystem versteht die EFQM das Umfeld und die Systeme außerhalb der Organisation, von denen die Organisation beeinflusst wird oder welche die Organisation selbst beeinflusst.

Auch fällt auf, dass die Handelnden im Rahmen von Selbstbewertungen die Priorisierung von wesentlichen Interessengruppen über die Kunden und Mitarbeitenden hinaus deutlich stärker in den Fokus nehmen.

Fragen wie:

  • Wer sind, neben Kunden und Mitarbeitenden, unsere wesentlichen Stakeholder?
  • Wie ermitteln wir systematisch die Bedürfnisse und Erwartungen der weiteren Stakeholder?
  • Wie setzen wir uns Ziele für die Gestaltung und Entwicklung der Zusammenarbeit mit den Stakeholdern?
  • Wie können wir heute und in Zukunft die Wahrnehmung dieser wesentlichen Interessengruppen bzgl. der Zusammenarbeit mit uns messbar machen?

werden umfangreicher betrachtet als mit dem bisherigen EFQM Modell.

Neben den bereits genannten Punkten werden u. a. auch Aspekte wie „Verbindung zwischen Organisationszweck und Strategieentwicklung“, „Innovationen fördern“, „Datenmanagement und Nutzung von fortgeschrittenen Analysemethoden“ sowie „Nachhaltigkeit“ intensiver beleuchtet.

Fazit aus Sicht von Anwendern

Mit den Neuerungen hat die EFQM den Grundstein dafür gelegt, dass Organisationen sich systematisch mit aktuellen Themen und Herausforderungen beschäftigen und zukunftsfähig aufstellen. Das Modell hilft Organisationen dabei, mehr Klarheit über ihre Position im Ecosystem zu erhalten und die eigenen Fähigkeiten gerade im Hinblick auf notwendige Veränderungen zu verdeutlichen. So liefert es einen geeigneten Orientierungsrahmen für die eigene erfolgreiche Organisationsentwicklung, um auch in Zukunft nachhaltig erfolgreich zu sein.


Über den Autor:

Dipl.-Ing. Frank Slawik ist geschäftsführender Gesellschafter der mib Management Institut Bochum GmbH. Seit 25 Jahren liegt der Schwerpunkt der Tätigkeit in der Begleitung von zumeist mittelständischen Unternehmen und Organisationen bei deren Weiterentwicklung orientiert am EFQM Modell. Zudem ist er DGQ-Trainer für EFQM-Trainings und Assessoren-Teamleiter beim Ludwig-Erhard-Preis.

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