Mittelstand lockt Top-Manager
Deutsche Führungskräfte arbeiten lieber in mittelständischen Unternehmen als in Großkonzernen. Die volkswirtschaftliche Bedeutung der Mittelständler nimmt aus Sicht der Manager stetig zu. Außerdem bieten sie die attraktiveren Jobs.
Rund zwei Drittel der deutschen Top-Manager würde am liebsten in Unternehmen des Mittelstandes arbeiten. Jeder zweite, der in einem Großkonzern beschäftigt ist, würde sogar gern zu einem kleineren Unternehmen wechseln. Bevorzugt haben die Führungskräfte dabei Firmen mit einem Umsatz zwischen 50 und 500 Millionen Euro im Blick. Das ist das Ergebnis des aktuellen Managerpanels, das die Financial Times Deutschland zusammen mit der Personalberatung LAB Lachner Aden Beyer & Company ermittelt.
In familiengeführten Unternehmen ist das unternehmerische Handeln und Denken ausgeprägter als in Konzernen. Es geht hier um den zukunftsorientierten Fortbestand des Unternehmens und nicht um Shareholder Value, begründet ein Manager seine Entscheidung. Ein anderer ergänzt, dass dort Reaktionszeit sowie Flexibilität höher seien. Viele der Befragten sehen zudem mehr Gestaltungsspielraum im Mittelstand. „Großkonzerne sind sehr ineffektiv und führen teilweise Ihr Eigenleben am Wertschöpfungsprozess und Kunden vorbei", so die Meinung eines der befragten Manager.
Die am häufigsten genannten Gründe für einen potenziellen Arbeitgeberwechsel sind demnach Eigenverantwortung (97 Prozent) und kurze Entscheidungswege (97 Prozent). Auch große Innovationskraft eines mittelständischen Unternehmens ist für die Manager wichtig (84 Prozent). Wenig Bedeutung messen sie dagegen Budget- und Personalverantwortung sowie der Arbeitsplatz-Sicherheit bei. Auch Image und Bekanntheitsgrad des Unternehmens spielen nur eine untergeordnete Rolle.
Einige der Studienteilnehmer sehen auch ein anderes Bewusstsein bei den Mittelstands-Managern. Diese würden mit mehr Weitsicht und Verantwortung agieren, da sie oftmals für ihre Entscheidungen zur Rechenschaft gezogen würden. Bei Großunternehmen sei dies eher nicht der Fall. Das zeigt sich auch in weiteren Umfrage-Details: Nur gut ein Drittel (38 Prozent) der befragten Top-Manager, die bereits in Großkonzernen arbeiten, möchte auch in Zukunft dort tätig sein. Großunternehmen haben damit in den vergangenen Jahren deutlich an Attraktivität verloren, auch wenn einzelne Führungskräfte dort immer noch bessere Aufstiegschancen und lukrativere Kompensationsmodelle sehen.
Grund für die Hinwendung zum „gehobenen Mittelstand" ist auch die aktuelle Bewertung von dessen volkswirtschaftlicher Bedeutung. So schreibt einer der Teilnehmer: „Großunternehmen aus Südostasien und Osteuropa werden auf die Märkte dringen und mit den Etablierten um Marktmacht ringen. Die Erben und Inhaber von Großunternehmen werden sich zurückziehen und verkaufen. Für die Kleinen und Mittelständler ist dagegen eigentlich immer Platz." Peter Lachner, LAB-Geschäftsführer, sieht es ähnlich: „Nicht Großunternehmen, sondern Unternehmen des Mittelstands sind ausschlaggebend für die wirtschaftliche Entwicklung unseres Landes."
Der Umfrage zufolge sind Großunternehmen in Familienbesitz - wie Bertelsmann, Porsche, Tengelmann oder Merck KGaA - die großen Verlierer: Drei Viertel der Top-Manager messen ihnen keine wachsende wirtschaftliche Bedeutung zu und nur 13 Prozent der Umfrageteilnehmer bevorzugen diese Unternehmensform als Arbeitgeber.
Das Managerpanel der FTD setzt sich nach Angaben der Initiatoren aus 639 Führungskräften der deutschen Wirtschaft zusammen. Rund 93 Prozent der Befragten sind Männer, 84 Prozent sind zwischen 31 und 49 Jahre alt. Rund drei Viertel entstammen der ersten und zweiten Hierarchieebene, fast 60 Prozent der Befragten verdienen pro Jahr 100.000 Euro und mehr. Zum aktuellen Thema des Managerpanels der FTD antworteten 238 Teilnehmer.