Wettbewerbsvorteil für deutsche Firmen
Arbeitskosten steigen im EU-Vergleich langsam / Produktivität wächst
Deutschland hat seine Wettbewerbsfähigkeit im europäischen Vergleich deutlich verbessert. Die Arbeitskosten wachsen moderat, die Produktivität steigt deutlich. Neue Daten dazu präsentierte kürzlich das Statistische Bundesamt.
Die Statistiker, die alle vier Jahre die Lohnkosten erheben, räumten auf mit dem Mythos des zu teuren Industriestandortes Deutschland. Erstmals wurde jetzt flächendeckend die gesamte Wirtschaft ohne Branchenunterschiede beobachtet. Zwischen 2000 und 2004 stiegen die Bruttolöhne im Schnitt bei Dienstleistungen um zwei Prozent - 0,8 weniger als der EU-Durchschnitt. Im produzierenden Gewerbe waren es 2,5 Prozent, auch dies klar niedriger als bei europäischen Nachbarn. These der Statistiker: Die deutsche Volkswirtschaft ist wettbewerbsfähiger geworden. Das berichtet die Frankfurter Rundschau in ihrer Online-Ausgabe vom 1. September 2006.
In den vergangenen drei Jahren stieg die Produktivität je Arbeitsstunde um 3,6 Prozent, die Arbeitskosten um 2,7 Prozent. Unter dem Strich sanken damit die Lohnstückkosten um rund ein Prozent - Deutschland ist das einzige Land in der EU mit einem Rückgang.
Das Lohngefälle zwischen Ost und West ist immer noch deutlich, in Ostdeutschland liegen die Arbeitskosten um 28 Prozent niedriger, Thüringen ist von den Lohnkosten her der günstigste Standort, Hamburg der teuerste. In großen Unternehmen mit mehr als 1000 Mitarbeitern wuchsen die Kosten stärker als in kleinen.
Die Statistiker schlüsselten zudem die Arbeitskosten auf: Pro 100 Euro Bruttolohn zahlen Unternehmen im Schnitt zusätzlich 33 Euro Lohnnebenkosten. Davon entfallen unter anderem 20 Euro auf die Arbeitgeberbeiträge zur Sozialversicherung, sechs Euro auf betriebliche Altersversorgung, drei Euro auf Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und im Mutterschutz. Während die Bruttolöhne um 2,6 Prozent stiegen, gingen die Lohnnebenkosten um 3,1 Prozent nach oben. Das liegt laut Bundesamt vornehmlich an den Kosten der betrieblichen Altersvorsorge und des Personalabbaus.