Mehr Qualitätsbewußtsein
Geiz ist nicht mehr geil
Die Konsumlaune der Deutschen steigt, die Kunden achten wieder vermehrt auf Qualität. Die Markenartikelindustrie kann davon aber noch nicht profitieren.
Was die DGQ schon vor über einem Jahr per Umfrage im Hamburg festgestellt hatte, bestätigten jetzt die deutschen Verbraucher bundesweit. Die Verbraucher in Deutschland achten wieder stärker auf Qualität und sind bereit, dafür mehr zu zahlen. Einer Studie der Unternehmensberatung McKinsey und des Markenverbands zufolge nahm die Preisfixierung zum ersten Mal seit 1995 ab. Die Autoren stützen sich auf Daten des Statistischen Bundesamtes und eine Umfrage unter Mitgliedern des Verbands.
Es sei wichtig, dass die Markenartikelindustrie diese „Aufbruchstimmung" nutze, sagte Thomas Tochtermann von McKinsey. Die Hersteller müssten stärker auf Neuentwicklungen setzen. Bislang böten die Unternehmen ihren Kunden jedoch meist keine echten Innovationen, sondern alte Produkte in neuem Gewand. „Die Flop-Rate ist schlechter als in jedem anderen Land", sagte Tochtermann. Hersteller und Handel müssten stärker zusammenarbeiten und neuen Produkten „mehr Zeit geben, sich zu beweisen", betonte Franz-Peter Falke vom Markenverband. Wichtig sei auch eine überzeugende Werbestrategie und regelmäßiges Controlling.
Bislang profitiere nur der Dienstleistungssektor von dem Trend zu mehr Qualität, sagte Tochtermann. Konnte der Industriesektor zwischen 1998 und 2005 noch um 3,6 Prozent auf 361 Milliarden Euro Jahresumsatz zulegen, seien nun besonders „schnell drehende Konsumgüter" wie Nahrungs- und Genussmittel ins Stocken geraten. Der Exportanteil sank um zwei Prozentpunkte auf 22 Prozent. 100 000 Stellen wurden abgebaut.
Damit fiel der Rückgang deutlich stärker aus als in der Gesamtwirtschaft. Derzeit arbeiten 1,5 Millionen Menschen in der Markenartikelindustrie. Langfristig könne die Industrie vom gestiegenen Markenbewusstsein profitieren, fügte er hinzu. Eine weitere Chance sei die „rasante Nachfrageentwicklung in Boom-Ländern" wie China und Indien.
Mit Blick auf die anstehende Erhöhung der Mehrwertsteuer sagte Falke, es gebe bei einem kleinen Teil der Verbandsmitglieder „eine gewisse Bereitschaft, die Preise zu erhöhen". Der Großteil werde die Preise beibehalten und eine Belastung der Margen in Kauf nehmen. „Die Luft nach oben ist dünn", sagte Falke.
Quelle: Frankfurter Rundschau