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August 2006


Excellence Barometer 2006 (ExBa) zu Basel II:

Ein Drittel der Unternehmen ist nicht fit für Basel II

Mehr als die Hälfte der Unternehmer schätzt Aufwand für Basel II höher ein als den Nutzen / 57 Prozent noch ohne Rating ihrer wichtigsten Bank / 46 Prozent beklagen künftig teurere Kredite / Gut ein Drittel schätzt Chancen auf Kredit künftig schwerer ein

Ein Drittel der deutschen Unternehmen ist nicht fit für die in knapp fünf Monaten EU-weit geltenden neuen Kreditvergabe-Regelungen nach Basel II. Wie die Mitte August in Berlin vom Meinungsforschungsinstitut forum!, der Deutschen Gesellschaft für Qualität e.V. (DGQ) und dem Wirtschaftsmagazin ‚impulse’ (Ausgabe 9/2006, EVT 17. August) gemeinsam vorgelegte Studie „Excellence Barometer 2006“ (ExBa 2006) weiter zeigt, schätzen die Unternehmer mehrheitlich (51 Prozent) den Aufwand für Basel II höher ein als den Nutzen. Lediglich eine Minderheit von 15 Prozent der 347 repräsentativ ausgewählten Firmenchefs geht von einem höheren Nutzen für das Unternehmen aus. 34 Prozent sehen Aufwand und Nutzen im Gleichgewicht.

„Die mehrheitlich negativen Einschätzungen über Basel II zeigen, dass es auf Seiten der Unternehmer nach wie vor ein großes Informationsdefizit gibt, das sich für die Firmen bereits 2007 sehr nachteilig auswirken kann“, prognostiziert forum!-Geschäftsführer Roman Becker. Dabei gab über die Hälfte der Befragten (55 Pro­zent) an, sich durch Beratung von Experten über Basel II informiert zu haben und 39 Prozent sagten, sie hätten Fachliteratur zu Rate gezogen. Nur 43 Prozent der Unternehmer wussten allerdings, dass ihre wichtigste Bank bereits ein Rating ihres Betriebes durchgeführt hat. Diesen Nachholbedarf an Informationsvermittlung seitens der Banken oder Durchführung eines Ratings scheinen auch die Finanz­dienstleister erkannt zu haben. So gaben 60 Prozent der Unternehmer an, deren Hausbank eine Sparkasse ist, dass in diesem Jahr ein Rating durchgeführt wurde. Von der Dresdner Bank sagten dies 52 Prozent, von den Volks- und Raiffeisen­banken 51 Prozent.

44 Prozent der Unternehmer erwarten teurere Kredite durch Basel II

Für viele Firmenchefs stehen die negativen Aspekte von Basel II im Vordergrund. 44 Prozent von ihnen sind sich sicher, dass Kredite durch die Bestimmungen von Basel II teurer geworden sind. Gut ein Drittel (35 Prozent) beklagt, dass es in Zu­kunft schwieriger sein wird, einen Kredit zu bekommen. Bislang hatte sich aber auch nur ein knappes Drittel (32 Prozent) Gedanken gemacht, Bankkredite durch neue Instrumente zu ersetzen. 27 Prozent der Befragten gaben an, dass sich die Beziehung zu ihrer Bank verschlechtert habe.

Demgegenüber haben 35 Prozent erkannt, dass ihnen ein Rating nach Basel II da­bei hilft, sich mit ihren Wettbewerbern zu vergleichen. Ein Drittel der im Rahmen der ExBa-Studie von forum!, DGQ und ‚impulse’ befragten Unternehmer hat aus Basel II konkrete Verbesserungsansätze für das Management abgeleitet. Gut ein Fünftel (23 Prozent) ersetzte Bankkredite durch andere Finanzierungsinstrumente.

„Es sind allerdings noch zu wenig Unternehmer, die erkennen, dass die neuen Vorgaben zur Kreditvergabe die Chance bieten, Schwachstellen in der Finanzierung und Unternehmensstruktur zu entdecken. Zu wenige setzen auf qualitative Ver­besserungen“, bewertet Gerd Kühlhorn aus der ‚impulse’-Chefredaktion die Ergeb­nisse.

Leasing entwickelt sich zur wichtigsten Finanzierungsform

Um bessere Bilanzkennzahlen und damit eine bessere Bonitäts-Einstufung zu er­reichen, hat eine Reihe von Unternehmern ihre Finanzierungskonzepte bereits um­gestellt oder plant dies. Davon profitiert vor allem das Leasing. So nutzen aktuell 69 Prozent der Befragten Leasing zur Anschaffung von Fahrzeugen und Maschi­nen, in Zukunft wollen es 74 Prozent tun.

Eine andere künftig stärker genutzte Finanzierungsform ist die Einbehaltung von Gewinnen. Während dies 59 Prozent aktuell schon anwenden, planen es mehr als zwei Drittel (68 Prozent) für die Zukunft. Auch Fördermittel wollen künftig 38 Pro­zent (aktuell genutzt: 28 Prozent) zur Finanzierung heranziehen. „Wer auch in Zu­kunft erfolgreich wirtschaften will, stellt sich auf die neuen Regelungen rechtzeitig ein, indem er seine Finanzierung und Bilanz in der verbleibenden Zeit optimiert“, empfiehlt DGQ-Geschäftsführer Dr. Wolfgang Kaerkes.

Die ExBA-Studie 2006 zeigt darüber hinaus, dass der Erfolg eines Unternehmens und die Fähigkeit zu vorausschauenden Entscheidungen Hand in Hand gehen. So hatten 69 Prozent der als erfolgreich eingestuften Unternehmen ihre Vorbereitun­gen auf Basel II bereits abgeschlossen. Bei den als weniger erfolgreich eingestuf­ten Unternehmen waren es nur 56 Prozent.