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Juli 2006


Nie mehr stille Post

Softwaretool „FIBER“ setzt den unternehmensübergreifenden Fehlerdatenaustausch um


Kunden und Zulieferer tauschen Informationen über fehlerhaft gelieferte Produkte selten in elektronischer Form aus. Die von Großunternehmen der Automobilindustrie eingeführten Lieferantenportale sind in der Regel Insellösungen, von denen ein Zulieferer häufig mehrere bedienen muss. Um diese zu ergänzen, wurde das Softwaretool FIBER entwickelt, in das Fehlerdaten eingegeben und einfach zwischen Unternehmen ausgetauscht werden können.

Produktfehler zwischen Zulieferer und Kunden

In den letzten Jahren wurden die Produktionsprozesse ständigen Qualitätsverbesserungen unterzogen. Nach wie vor besteht jedoch die Problematik, dass der Kunde Produktfehler von Zulieferteilen erst bei der Verwendung feststellt. Nach der Fehlerfeststellung beim Kunden erfolgt der Austausch von Fehlerinformationen mit  Reklamation der Zulieferteile. Der Zulieferer reagiert auf die eingehende Reklamation, indem beispielsweise der Produktionsprozess überprüft und oder modifiziert wird. Zuvor ist jedoch der detaillierte Informationsaustausch über die aufgetretenen Produktfehler zwischen Zulieferer und Kunde notwendig, um die Ermittlung der Fehlerursache und eine effiziente Fehlerbeseitigung zu gewährleisten.
Zwar erfolgt in vielen Unternehmen eine rechnerunterstützte Behandlung von Produktfehlern, bei Zulieferteilen endet diese jedoch durch inkompatible EDV-Systeme in der Regel an den Unternehmensgrenzen der Hersteller. Deshalb werden Informationen über beim Kunden aufgetretene Produktfehler häufig als Fließtext per Fax oder über das Telefon übermittelt .  Das unterbricht die EDV-Kette und führt zu einem hohen manuellen Aufwand und fehleranfälligen Abläufen. Zudem können die Fehlerursachen häufig nur unzureichend ermittelt und eine Fehlerprävention nicht in dem notwendigen Maße betrieben werden.

Konventioneller Fehlerdatenaustausch

Zur Vereinheitlichung des Fehlerabstellprozesses hat sich in der Branche der Automobilzulieferer die Verwendung eines Formblattes mit der Bezeichnung „8D-Report“ weitgehend durchgesetzt. Innerhalb der 8D-Methode erfolgt die systematische Analyse und Behebung von Fehlern in acht Disziplinen. Diese Disziplinen beinhalten die erforderlichen Schritte zur nachhaltigen Fehlerbeseitigung, die den Richtlinien des Verbandes der Automobilindustrie e. V. (VDA) folgen. Nachdem die Reklamation eines Kunden beim Lieferanten eingegangen ist, beginnt dieser mit der strukturierten Bearbeitung des Fehlerfalles auf Basis des 8D-Reports. Dazu werden chronologisch die acht Disziplinen beim Zulieferer abgearbeitet.

Neue Methoden gegen alte Probleme

Da der Datenaustausch derzeit weitgehend uneinheitlich geregelt ist, war das Ziel des Projektes die Umsetzung eines produktunabhängigen, unternehmensübergreifend einsetzbaren Datenmodells zur strukturierten Beschreibung von Produktfehlern. Aufbauend auf diesem Fehlerdatenmodell, wurde ein prototypischer Software-Demonstrator FIBER entwickelt, um den Austausch von Fehlerinformationen über Unternehmensgrenzen hinweg zu unterstützen. Dieser ermöglicht die Verknüpfung der unternehmensspezifischen Qualitätsmanagementsysteme innerhalb der Kunden-Zulieferer-Beziehung  Für den Datenaustausch wurde ein Peer to Peer-Konzept realisiert. Dabei handelt es sich um eine Kommunikation unter Gleichrangigen. Es gibt keine zentrale Kontrollinstanz, da die Peers ihre Daten direkt austauschen.
 
Softwarekonzept FIBER

Die Datenbank basiert auf dem QDX-Standard und ist in einem Microsoft SQL Server 2000 implementiert worden. Der QDX-Standard ist ein vom VDA herausgegebenes Format zum standardisierten Qualitätsdatenaustausch zwischen Herstellern und Zulieferern in der Automobilbranche. Er besteht aus 14 unterschiedlichen Elementen, die den kompletten Lebenszyklus der Herstellung und Verarbeitung abbilden. Die für FIBER hinsichtlich der Reklamationsbearbeitung benötigten Elemente sind COMPLAINT und REPORT_8D, welche sich über die Erstellung einer Beanstandung beim Kunden bis zu deren Beantwortung durch den 8D Report beim Lieferanten erstrecken. Grundsätzlich besteht der FIBER Software-Demonstrator aus den Elementen Webanwendung mit Datenbank und Web-Service, der für die Realisierung des Peer to Peer Netzwerkes verwendet wird. Dabei werden die Daten, die ein Unternehmen in seiner Datenbank ablegt, über das Internet versendet und in der Datenbank des Partnerunternehmens gespeichert.

Prototypische Umsetzung

Auf dieser Basis wurde von den am Forschungsprojekt beteiligten Instituten IFUM und IPH ein Prototyp der Software entwickelt. Unter Verwendung von Microsoft Visual Studio .NET 2003 entstand eine funktionsfähige Webanwendung, deren Oberfläche dem Benutzer in übersichtlicher Form das Erstellen von Reklamationen (Complaints) und die Reklamationsbearbeitung auf Basis des 8D-Reports ermöglicht.

Leitfaden für den Anwender

Die Ergebnisse des Forschungsprojektes sind in Form eines Anwenderleitfadens im FQS-DGQ-Band 84-05 veröffentlicht. Dieser Leitfaden beschreibt die Verwendung des FIBER-Demonstrators und die wissenschaftlichen Ergebnisse. Des Weiteren liegt der Software-Demonstrator als lauffähige Version mit Installationsroutine auf CD-Rom bei. Für die Weiterentwicklung des Demonstrators zu einem marktreifen Produkt bieten die beteiligten Forschungseinrichtungen ihre Mithilfe an.
Die Forschungseinrichtungen werden in einem derzeit geplanten Nachfolgeprojekt die Thematik weiter verfolgen. Darin soll die Verwendung von QM-Werkzeugen mit standardisierten Antwortkatalogen zur Bearbeitung der 8D-Methode ermöglicht werden.

Informationen und Bestellung des FQS-DGQ-Band 84-05