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Juli 2006


Auch ein Häuptling braucht mal Hilfe

Persönliches Coaching hat sich zum festen Bestandteil bei der Weiterentwicklung von Führungskräften gemausert. Ein Ende des Trends ist nicht zu erkennen. Häufig sollen sie den Chefs helfen, ihre Rolle zu verstehen.

Der Markt für Coaching-Angebote ist in den vergangenen zehn Jahren explodiert. Einfach nur den x-ten Managementguru aufs Podium zu stellen, reicht nicht mehr aus. Mittlerweile ist Personalisierung das Schlagwort bei der Weiterbildung von Führungskräften. Verstärkt wenden sich Firmen an Business Schools und Coaching-Unternehmen mit der Bitte, Coaching in die Programme aufzunehmen. Die Kurse sollen sich an kleine Gruppen wenden oder bei ranghohen Managern auch als Einzelunterricht erfolgen.

In einer Umfrage des britischen Chartered Institute of Personnel and Development sagten fast 90 Prozent der Befragten, dass sie auf Coaching zurückgreifen. Als Hauptgrund führen sie den Wunsch an, ihre eigenen Leistungen zu verbessern, unterdurchschnittliche Ergebnisse abzubauen und die Produktivität zu erhöhen. Darüber berichtet die Financial Times Deutschland (FTD) in ihrer online-Ausgabe vom 27. Mai 2006.

"Das Umfeld ist komplexer, die Unternehmenshierarchien werden immer flacher, außerdem ist es einsam an der Spitze", beschreibt Lindsey Masson die Veränderungen in der Firmenwelt. Masson leitet an der britischen Schule Ashridge die Executive-Coaching-Programme.

Imagewandel: Weg vom "Nachhilfeunterricht"
Angesichts der Vielzahl an Coaching-Angeboten sind Business Schools und andere Einrichtungen übereingekommen, dass eine Art Qualitätssiegel nötig ist. Das Henley Management College und die Lancaster University Management School in Großbritannien bieten inzwischen Coaching-Zertifikate an, um gewisse Standards zu garantieren. In den USA setzt sich die International Coach Federation für einen Kodex ein, der branchenweit gelten soll.

Früher haftete Coaching der Ruf an, etwas peinlich zu sein, eine Art „Nachhilfeunterricht" für Führungskräfte, deren Managementfähigkeiten nicht den Anforderungen entsprachen. Mittlerweile gibt es viele Chefs, die voller Stolz auf ihren Mentor verweisen.

Erfolg der anderen im Blick haben
"Es ist wirklich einsam, eine Führungskraft zu sein", sagt Prinny Anderson, die in den USA beim Global Resources Learning Network als Coach arbeitet. „Hat man einen Coach, ist das, als hätte man einen professionellen Kumpel, mit dem man Probleme besprechen kann, etwa beim Umgang mit dem Board." Ein Coach stärke den Rücken, helfe beim Durchdenken von Problemen und beim Begreifen der eigenen Rolle.

Was macht einen guten Coach aus? Man müsse als Teil des Teams denken können, über sehr gute zwischenmenschliche Fähigkeiten verfügen, objektiv und selbstkritisch sein, sagt Doug Riddle vom Center for Creative Leadership. Man müsse anderen Erfolg wünschen können, ohne ihn selbst einstreichen zu wollen. Auch Erfahrung in den Bereichen Management und Führungsarbeit seien wichtig, sagt er.

Strategisches Coaching
Bei den Wirtschaftsprüfern von PricewaterhouseCoopers (PwC) ist Coaching mehr als nur ein Ausbildungsmittel. Früher habe Coaching eher auf Ad-hoc-Basis stattgefunden, sagt Kathy Kavanagh von PwC New York, mittlerweile gehe das Unternehmen aber strategischer und besser organisiert an das Thema heran. „Wir haben einige Erfahrung in Bereichen entwickelt, die wir für effektiv halten", sagt Kavanagh.
15 Jahre Erfahrung im Coaching setzt das Unternehmen mindestens voraus, idealerweise bringen die Coachs Erfahrungen aus anderen Dienstleistungsbereichen mit. Die Betreuung dauert normalerweise zwei bis sechs Monate, in einigen Fällen aber auch länger, erzählt Kavanagh. Wesentlich zum Erfolg des Programms trage bei, dass ranghöhere Manager ihre Coachs selber aussuchen dürften, sagt sie.

Fokussierte Hilfe am erfolgreichsten
Aber wie sieht es mit den Renditen auf derartige Maßnahmen aus? Wie kann ein Unternehmen sicherstellen, dass die Ausgaben sinnvoll sind? Zunächst müsse mit Manager und Unternehmen die Zielvorgabe besprochen werden, sagt Riddle. Später könne dann der Prozess begutachtet werden, um zu sehen, ob Veränderungen integriert sind.

Kavanagh räumt ein, dass nicht alle Mitarbeiter uneingeschränkt zufrieden waren. PwC führt eine gründliche Bewertung durch, in die Rückmeldungen der Coachs und Einschätzungen der Personalabteilung zum Coach einfließen. Besonders erfolgreich sei man gewesen, wenn die Manager Betreuer heranzogen, damit diese ihnen in speziellen Bereichen helfen.

Expertenrat: Kein isoliertes Coaching
Wenn Coaching funktioniert, dann tut es das sehr gut, sagt David Clutterbuck vom European Coaching and Mentoring Council. Funktioniere es nicht, könne es aber auch Schaden anrichten. Riddle ist ein glühender Verfechter des Coaching, hält derartige Programme aber für am effektivsten, wenn parallel dazu andere Maßnahmen eingesetzt werden, beispielsweise Talententwicklung.