Stiftungsbefragung:
Gesellschaftliches Engagement von Unternehmen
Noch eher Spendentum und Sponsoring als strategisches Investment
In Deutschland kann noch einiges getan werden, um das gesellschaftliche Engagement von Unternehmen eher als strategisches Investment denn als philantropisches Gutmenschentum in Form von Spenden zu verstehen. Zu diesem Fazit kommt die Broschüre „Die gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen“ der Bertelsmann Stiftung. Sie führt die Ergebnisse einer Befragung von 500 Entscheidern der deutschen Wirtschaft aus dem Jahr 2005 auf, die im Jahr zuvor mindestens 200 Beschäftigte oder 20 Mio. Euro Umsatz vorweisen konnten.
Danach prägt eine eng fokussierte Stakeholder-Orientierung die gesellschaftliche Verantwortung deutscher Unternehmen. Sie fühlen sich in erster Linie den Mitarbeitern und den Kunden gegenüber verantwortlich. Für große Unternehmen spielen auch die Kapitaleigner eine wichtige Rolle.
Neben dieser ausgeprägten Mitarbeiterorientierung scheint sich die gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen hauptsächlich in Spenden und Sponsoring niederzuschlagen. Eine eher strategische Ausrichtung unternehmerischen Gesellschaftsengagements steht noch am Anfang.
Die Befragung durch die Stiftung zeigt, dass die Rolle des Unternehmens als reiner Profitmaximierer von den Managern deutlich abgelehnt wird. Die immer wieder bemühte These, dass Unternehmen in erster Linie dazu da sind, Gewinne zu erzielen, wird demnach von einer deutlichen Mehrheit nicht geteilt. Immerhin sehen sich 60 Prozent der Unternehmen in einer aktiven Rolle, wenn es darum geht, Verantwortung für die Gesellschaft zu übernehmen.
Parallel hierzu korrespondiert die Einschätzung, dass der gesellschaftlichen Herausforderung von Unternehmen künftig eine höhere Bedeutung beigemessen wird, auch wenn diese derzeit noch nicht zu den Kernzielgrößen der deutschen Wirtschaft gehört. Offensichtlich spielt hier neben der abnehmenden staatlichen Leistungsfähigkeit die zunehmende Globalisierung der Wirtschaftsprozesse eine nicht unerhebliche Rolle.
Derzeit sind die Unternehmen für solche Herausforderungen aber noch denkbar schlecht gerüstet. Denn nur geringe operative Ressourcen und knappe Budgets werden für gesellschaftliches Engagement aufgewendet. Bedenkt man, dass sich die überragende Mehrheit der befragten Manager sehr zufrieden mit den bisher erreichten Zielen ihres gesellschaftlichen Engagements zeigen, drängt sich doch der Widerspruch zwischen tatsächlichem und bekundetem Verhalten auf.
Dass gesellschaftliche Verantwortung und ökonomische Leistungsfähigkeit nicht im Widerspruch stehen, ist ein weiterer hervorstechender Befund der Befragung. Die Unternehmen, die sich aktiv oder sogar proaktiv ihrer gesellschaftlichen Verantwortung stellen, verzeichnen eine positive Beschäftigungsentwicklung und erwarten steigende Gewinne. Weitere Infos unter www.bertelsmann-stiftung.de/csr