Ein erstes Fazit nach drei Jahren Levels of Excellence in Deutschland
Die Levels of Excellence
2003 startete das EFQM Programm Levels of Excellence in Deutschland. Die EFQM hatte mit den Levels, den Stufen zu Excellence, Möglichkeiten der Anerkennung für Organisationen geschaffen, die noch nicht den enorm hohen Reifegrad von Finalisten oder gar Gewinnern des European Quality Award haben.
Erkenntnisse aus der Pilotierung des Committed in Europa und in Deutschland
Nachdem die EFQM schon 2002 die Levels of Excellence in einigen Ländern pilotiert hat, begann 2003 mit der Stufe Committed to Excellence die Umsetzung durch die DGQ in Deutschland. Seitdem haben in Europe mehr als 300, in Deutschland über 75 Organisationen das Committed to Excellence erreicht.
Bewertungsgrundlage ist der Prozess aus ganzheitlicher Selbstbewertung der Stärken und Schwächen, Priorisierung von Handlungsfeldern und Umsetzung von Verbesserungsprojekten. Anhand dreier Projekte wird die Schlüssigkeit und Wirksamkeit dieses Prozesses und seiner einzelnen Schritte hinterfragt und bewertet.
Bewerber sind eher klein, haben überwiegend keine lange QM-Historie und zählen nicht selten zu den QM-Pionieren ihrer Branchen. So sind denn auch überproportional viele Bewerber aus dem Gesundheitswesen, den Volkshochschulen und dem Sozialwesen darunter. Allerdings nutzen auch große Dienstleister wie O2, die durchaus auf bestehende QM-Erfahrung aufbauen, das Committed als Meilenstein bei der Excellence-Entwicklung des Unternehmens, um einen profunden Einstieg in die Selbst- und Fremdbewertung nach EFQM zu finden.
Zu den Bewerbern entsteht überwiegend eine sehr enge Bindung, oft schon Monate, manchmal Jahre vor der Bewerbung. Einzelne Committed Absolventen haben sich in 2005 sogar für den Ludwig-Erhard-Preis beworben. Rückmeldungen der Bewerber, die in den allermeisten Fällen durch die Projektleitung persönlich eingeholt werden, sind ganz überwiegend sehr positiv. Besonders betont wird die Nützlichkeit des direkt an die Validierung – so heißt die Begutachtung vor Ort – anschließenden mündlichen Feedbacks zu Stärken und Schwächen und zum Reifegrad sowie die Hinweise für die weitere Entwicklung. Dies wird im Anschluss an den Vor-Ort-Besuch auch noch schriftlich zusammengefasst.
Auffällig ist, dass viele Bewerber dem Erhalt der Urkunde zunächst einen großen Stellenwert beimessen. Hier versucht die Projektleitung früh zu klären, dass der wesentliche Effekt des Erreichens einer Stufe der Levels of Excellence nicht in seiner Außen- und Öffentlichkeitswirkung, sondern in seiner Innenwirkung besteht. Externe Begutachtung und Anerkennung durch DGQ und EFQM bestärken in erster Linie die Weiterführung der Excellence-Initiativen durch Führungskräfte und Mitarbeiter, sie wirken motivieren, manchmal durch strikte Zeitvorgaben auch disziplinierend und leistungstreibend. Denn immerhin sollen aus der EFQM Selbstbewertung abgeleitete Projekte in 6-9 Monaten wirkungsvoll umgesetzt werden. Das Projektmanagement ist dann auch bei auffallend vielen Bewerbern noch nicht so wirkungsvoll, dazu müssen die Validatoren sehr häufig Verbesserungspotenziale vermelden.
Zwar gab es innerhalb der Pilotphase Bewerber, die durchgefallen sind, dennoch ist Alles in Allem das hohe Engagement von Leitungsteams und Mitarbeitern bemerkenswert. Es geht einher mit einem überwiegend guten Verständnis der Grundkonzepte der Excellence und dem spürbaren Willen, sich systematisch, ganzheitlich und in großen Schritten weiter zu entwickeln. Allerdings bedingt die geforderte Ernsthaftigkeit der Beschäftigung mit dem Excellence-Ansatz auch, dass diese Form der Anerkennung im Vergleich zu Zertifizierung, die eine andere Zielsetzung hat, kein Massenphänomen ist.
2006 startet die Pilotierung des Recognised for Excellence
Für 2006 sind nun erste Bewerber für die Stufe Recognised for Excellence (R4E) in Deutschland angemeldet. Das R4E basiert auf einer RADAR-Bewertung durch ein Assessorenteam und erfordert das Überschreiten von 400 Punkten. Es gibt drei Verfahren
Insbesondere das dritte Verfahren stellt eine interessante Neuerung dar, da es die Grenzen zwischen Selbst- und Fremdbewertung aufhebt und dies zu einer lernintensiven gemeinsamen Veranstaltung macht. Die externen Assessoren erleben die Bewertung der internen Assessoren, können auf deren Detailkenntnisse zurückgreifen, andererseits erleben die eigenen Assessoren, wie die Externen die erhaltenen Informationen bewerten, was sie hinterfragen und wie sie zu ihrer Stärken-Schwächen-Analyse und zu ihrer Punktbewertung kommen.
Integration der Levels mit Ludwig-Erhard-Preis und Länderqualitätspreisen
Die Levels of Excellence (LoE) sind ein europäisches Programm der EFQM, das auch von der EFQM koordiniert wird. Nationale Umsetzungen in den europäischen Ländern erfolgen durch die Nationalen Partnerorganisationen, in Deutschland also durch die DGQ. Formell und institutionell gibt es keinen unmittelbaren Bezug zwischen LoE und dem Ludwig-Erhard-Preis (LEP) oder den einzelnen Qualitätspreisen der Bundesländer. Dennoch ist es – gerade auch aus Bewerbersicht – nur sinnvoll, nationale Programme angemessen mit dem europäischen Programm zu verzahnen. Hier sieht sich die DGQ als Mitinitiatorin des LEP und verantwortlich für die LoE in Deutschland in einer wichtigen Mittlerfunktion. Hilfreich ist, das die Bewertungsgrundlage des LEP identisch mit der des EQA ist. So hat die DGQ die in der Abbildung dargestellte Landschaft skizziert, um den Zusammenhang zwischen den Stufen der Levels of Excellence, den Qualitätspreisen der Bundesländer und dem LEP zu beschreiben.

Jede Organisation kann entscheiden, auf welcher Reifegradstufe und mit welchem Fokus sie in die einzelnen Programme einsteigt und kann so den eigenen Weg zur Excellence mit individuellen Meilensteinen versehen.
Weitere Informationen auf den Web-Seiten des Deutschen EFQM Center und der Initiative Ludwig-Erhard-Preis.