Unser Expertenthema: Change-Management

Praxisbeispiel: Automobil AG

Das Entwicklungsressort der Automobil AG ist unterteilt ein Entwicklungsbereiche, die an den technischen Komponenten des Fahrzeugs ausgerichtet sind. Der betrachtete Bereich der Fahrwerksentwicklung ist zu überwiegenden Teilen an einem Standort konzentriert und umfasst ca. 500 Mitarbeiter. Der Entwicklungsbereich tritt in seiner Linienfunktion aus Unternehmenssicht als Dienstleister für die Produktlinienorganisationen auf, welche die Gesamtverantwortung für die Entwicklung und Einführung neuer Fahrzeuge trägt.

In der Vergangenheit ist es häufiger vorgekommen, dass in den Entwicklungsabteilungen Systeme zur Serienreife entwickelt wurden, dann aber aus Kostengründen von der Produktlinie nicht in das Fahrzeug integriert werden konnten. Es war also bereits deutlich geworden, dass die Entwicklungslandschaft einer Neuausrichtung an den strategischen Notwendigkeiten der Automobil AG bedurfte.

Identifizierung von Kernproblemen als primärer Gegenstand der Veränderung
Im ersten Schritt wurde mit Hilfe des IST-Zustands-Baums der Theory of Constraints untersucht, welche Ursachen die am Markt zu beobachtenden schädlichen Effekte haben (Bild 1). Der Anleitung zur Erstellung des Baums folgend wurden zunächst im Rahmen eines Brainstormings bekannte schädliche Effekte gesammelt und dann Schritt für Schritt die Ursachen-Wirkungs-Beziehungen erarbeitet.

Von Bedeutung ist in diesem Fall die Betrachtung des Kontroll- und Einflussbereichs. Im Kontrollbereich liegen sämtliche Abteilungen des Fahrwerks-Entwicklungsbereichs. Der Einflussbereich erstreckt sich über die anderen Entwicklungsbereiche der Automobil AG und mit gewissen Einschränkungen über die Zulieferer der Fahrwerkssysteme und -komponenten. Außerhalb des Einflussbereichs liegen die Naturgesetze, gesellschaftliche Normen und Bedürfnisse, Wettbewerber und zu großen Teilen die Zulieferer.

Diese Unterscheidung führt bei der Analyse des erarbeiteten Ursachen-Wirkungs-Geflechts an den Wurzeln des Baumes zu der Erkenntnis, dass die Urasche Hochtechnologiesierte Systeme erfordern Spezialisten nicht eliminiert werden kann, das sie in der Natur der Sache und damit außerhalb des Einflussbereiches liegt. Die drei Ursachen des begrenzten Platzangebots, Energieangebots und Gewichtsspielraums liegen innerhalb des Einflussbereichs, da andere Entwicklungsbereiche an entsprechenden Stellen zu Zugeständnissen bewegt werden könnten.

Innerhalb des Kontrollbereichs der Fahrwerksentwicklung liegt letztendlich nur die Ursache, dass zur Realisierung weiterer FW-Funktionen zusätzliche FW-Systeme benötigt werden. Die Eliminierung dieser Ursache würde einen Großteil der schädlichen Effekte (dunkle Karten) des Baums eliminieren. Zusammenfassend lässt sich der IST-Zustands-Baum folgendermaßen interpretieren: Die hohen Entwicklungskosten führen bei sinkenden Stückzahlen pro Modell in Folge der Diversifizierung sowie bei sinkender Bereitschaft der Kunden, für Fahrwerks-Sonderausstattung Geld zu bezahlen, zu sinkenden Margen für Fahrwerks-Systeme. Die hohen Entwicklungskosten werden durch fünf Ursachen bedingt: Drei außerhalb des Kontrollbereiches (Gewicht-, Platz- und Energiebedarf), eine außerhalb des Einflussbereiches (Spezialisten), eine innerhalb des Kontrollbereiches (zusätzliche FW-Systeme). Primäres Ziel ist daher die Lösung des Problems, dass zur Realisierung weiterer FW-Funktionen zusätzliche FW-Systeme benötigt werden.