Unser Expertenthema: Change-Management

Kernproblem als primärer Gegenstand der Veränderung 

 

Die Auslöser von Veränderungsvorhaben können äußerst unterschiedlich sein. Unternehmensinterne oder -externe Faktoren können zu einem gewissen Leidensdruck führen, der ein Handeln erforderlich macht. In besonders vorausschauend denkenden Organisationen kann es auch gelingen, Entwicklungen der Umwelt frühzeitig zu antizipieren und auf Basis dieser Erkenntnis präventiv ein Veränderungsvorhaben zu initiieren. In der Regel stellen jedoch Schwierigkeiten, die im Ablauf der Geschäftsprozesse einer Organisation beobachtet werden, den Auslöser für Veränderungsprojekte dar. Diese Schwierigkeiten sollen im weiteren Verlauf als so genannte schädliche Effekte(SE) bezeichnet werden. Häufen sich diese schädlichen Effekte in einer Organisationseinheit oder einem Geschäftsprozess, so besteht eine Möglichkeit darin, die Folgen dieser schädlichen Effekte direkt zu eliminieren. Wesentlich viel versprechender ist es jedoch, nach einer gemeinsamen Ursache einer Großzahl der schädlichen Effekte zu forschen und über die Behebung dieser Ursache dann die Gesamtheit der verursachten schädlichen Effekte zu eliminieren.
 
Ein leistungsstarkes Werkzeug zur Unterstützung dieser Ursachenanalyse ist der IST-Zustands Baum (Current Reality Tree) der Theory of Constraints (TOC) (Bild 1). Über die Erstellung eindeutiger Ursachen-Wirkungs-Beziehungen, die klaren Regeln gehorchen, unterstützt dieses Werkzeug maßgeblich bei der Erfassung komplexer Situationen und liefert damit die Grundlage für den Entscheidungsprozess.

Bild 1: IST-Zustands-Baum der Theory of Constraints (in Anlehnung an Dettmer)
 
Goldratt beweist in seinen Ausführungen eindrucksvoll wie sich ein Bündel von Alltagsproblemen eines Unternehmens durch stringente Ursachen-Wirkungs-Verknüpfungen auf ein so genanntes Kernproblem (KP) reduzieren lassen [GOLD02; S. 114 ff.][GOLD03; S. 106 ff.]. Angewandt auf das betriebliche Veränderungsmanagement bedeutet dies, dass die Entwicklung einer neuen Strategie zur Behebung erkannter Missstände nicht überstürzt begonnen werden sollte. Vielmehr empfiehlt sich eine ausführliche Analyse der Ursache dieser Missstände. Gelingt die Identifikation eines Kernproblems, so stellt die Umkehrung dieses Kernproblems den zentralen Gegenstand des Veränderungsvorhabens dar.