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Messtechnik: Mit Qualität gegen die Krise
„Wer veraltete Verfahren einsetzt, gerät ins Hintertreffen“, so Dr. Wolfgang Kaerkes, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Qualität, in einem Interview mit dem Newsletter.
Redaktion: Herr Dr. Kaerkes, die Herstellung industrieller Mess- und Prüftechnik ist ein Milliardenmarkt, bei dem deutsche Unternehmen den größten Teil ihrer Produktion exportieren. Wie hart wird die Branche eine weltweite Wirtschaftskrise treffen?
Kaerkes: Die abflauende Konjunktur darf sich nicht in einer nachlassenden Qualitätsfähigkeit niederschlagen. Wir haben in den vergangenen Monaten gesehen, dass die Hersteller von industrieller Mess- und Prüftechnik in einem stabilen Markt arbeiten und ihre Umsätze weiter steigen – und es gibt noch keine Hinweise, dass sich das ändert.
Redaktion: Aber die Branche wird sich wohl kaum von der Wirtschaftsentwicklung abkoppeln können.
Kaerkes: Natürlich wird auch die Mess- und Prüftechnik davon betroffen sein. Aber auch in einer Krise ist die Technik die Basis für Qualitätsfähigkeit. Hierbei können die deutschen Unternehmen nicht einfach sparen. Mit Mess- und Prüftechnik weisen sie nach, dass sie die Toleranzen einhalten, die ihre Kunden verlangen. Die Unternehmen aus dem produzierenden Gewerbe werden jetzt nicht den Fehler machen, ihre Qualitätsansprüche zu senken – das würden ihre Kunden nicht mitmachen.
Redaktion: Öffentliche Aufmerksamkeit bekommt das Thema durch Qualitätsmängel vieler ausländischer Billigwaren – etwa durch die Skandale um giftiges Spielzeug aus China. Hat das die Bedeutung von Qualitätssicherung noch einmal erhöht?
Kaerkes: Qualitätssicherung wird in der Offentlichkeit natürlich vor allem dann ein Thema, wenn die Qualität von Waren fehlt – so wie es in China passiert ist. Der Markt hat dort entschieden: mit stornierten Aufträgen und Reklamationen. Deutsche Unternehmen, die ihre Produktion nach China verlagert haben, sind deshalb sogar zurückgekehrt.
Redaktion: Werden die Hersteller dort nun stärker in Qualitätsmanagement investieren – mit entsprechenden Absatzchancen für deutsche Hersteller von Mess- und Prüftechnik?
Kaerkes: China hat inzwischen auch erkannt, dass die Unternehmen gewisse Qualitätsansprüche erfüllen müssen. Die Mitarbeiter benötigen Qualifizierung, das Prozessmanagement muss besser werden. Es entsteht ein Bewusstsein für Qualität – und damit wird auch die Nachfrage nach deutscher Mess- und Prüftechnik steigen. Wenn es aber um die Schaffung eines neuen Bewusstseins geht, ist zunächst vor allem das Thema Führung wichtig: Wer Qualität will, braucht selbstständig denkende und qualifizierte Mitarbeiter.
Redaktion: In anderen Worten: Das Thema Qualitätssicherung wird in Asien auf absehbare Zeit nicht die Bedeutung wie in Deutschland erreichen?
Kaerkes: Vielleicht nicht sofort, aber in Ländern wie China und Indien gibt es ein großes Potenzial. Der Konsumgütermarkt dort ist riesig. Zunächst ist der Bedarf an qualitativ hochwertigen Waren nicht so hoch. Aber die Verbraucher werden kritischer. Es wird eine vergleichbare Entwicklung geben wie in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg. Beispielsweise entsteht gerade eine ganze Menge von chemischen Labors in China, die prüfen, ob Produkte die Gesundheit gefährden.
Redaktion: Zurück zum deutschen Markt: Hier sind neue Messtechniken in der Fertigung ein Thema. Aber viele Anwender zögern noch. Sind die Kosten zu hoch?
Kaerkes: Zunächst einmal: Die mechanischen Messverfahren, die wir haben, sind bereits sehr gut. Wer trotzdem umstellen will, muss viel investieren. Es geht dabei um Klimatisierungsfragen, neue Räume und Geräte sowie die Qualifizierung von Mitarbeitern. Aber die Einsicht wächst, dass eine hohe Wettbewerbsfähigkeit mit neuer Technik einhergeht. Wer veraltete Produktions- und Prüfverfahren einsetzt, gerät ins Hintertreffen.
Redaktion: Um Qualität geht es aber nicht nur in der Industrie. Unternehmen aus allen möglichen Branchen werben mit ihren Qualitätsmanagement-Systemen. Geht das nicht irgendwann zu weit?
Kaerkes: Das sehe ich nicht so. Qualitätsmanagement-Systeme sind unabhängig von der Branche sinnvoll. Sie beschäftigen sich mit der Kundensicht, mit Führung, mit der Beziehung zu Partnerunternehmen, den Prozessen und den Mitarbeitern. Es geht dabei um die Frage: Wie kann ich mein Unternehmen verbessern? In der produzierenden Wirtschaft hat das eine lange Tradition. Heute gibt es Qualitätsmanagement-Systeme in der Bildung, der öffentlichen Verwaltung und der Gesundheitsbranche.